Pressemitteilungen

Nominierungen der SPD Rudow

Auf der letzten Abteilungsversammlung, am 21. September 2010, haben die Mitglieder der SPD Rudow für die Wahlen im kommenden Jahr nominiert.

Als Spitzenkandidat für das Amt des Bezirksbürgermeisters wurde der amtierende Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky nomniert.

Peter Scharmberg wurde als Kandidat für die Abgeordnetenhauswahlen nominiert. Er tritt damit als Spitzenkandidat der Rudower SPD an, um die Interessen der Rudowerinnen und Rudowern im Landesparlament zu vertreten.

Für die Bezirksverordnetenversammlung in Neukölln treten folgende Kandidatinnen und Kandidaten an: Peter Scharmberg, Diane Hall-Freiwald, Martin Hikel, Eva-Marie Schönthal, Marc-Niklas Förster und Uwe Heiland.

SPD Neukölln-Mitte nominiert KandidatInnen für BVV und Abgeordnetenhaus

Mit einem starken und hochmotivierten Team will die Abteilung Neukölln-Mitte in den Wahlkampf für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und das Abgeordnetenhaus starten.

Für die BVV nominiert wurden Joschka Langenbrinck, Derya Çağlar, Wolfgang Hecht, Isabel Steinweg und Nilgün Hascelik. Die Wahl zur BVV findet zeitgleich mit der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September 2011 statt.

Als Kandidat für das Landesparlament wurde Joschka Langenbrinck (25) einstimmig nominiert. Inhaltlich will sich die Abteilung im kommenden Jahr insbesondere mit der Integrationspolitik auseinandersetzen.

Bericht der Kreisdelegiertenversammlung

Die SPD Neukölln hat auf ihrer Kreisdelegiertenversammlung am 30. September einstimmig den Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky erneut zu ihrem Spitzenkandidaten für die Bezirkswahlen im September 2011 nominiert.

Heinz Buschkowsky ist ein Neuköllner Urgestein, der sich seit jeher für die Interessen der Neuköllnerinnen und Neuköllner einsetzt, Probleme klar benennt, sich den Herausforderungen stellt, aber der auch Lösungswege aufzeigt und Chancen aufgreift. Wir freuen uns, dass das Aushängeschild der Neuköllner SPD für uns erneut als Spitzenkandidat in die Bezirkswahlen gehen wird.

Darüber hinaus verabschiedeten die 80 Delegierten die „Zeuthener Erklärung“ (Kreisvorstand > Nachrichten:
„Damit Solidarität Zukunft hat: Neue Wege für Kinder und Familien“, 8. September 2010) mit ihrer Forderung nach einem Paradigmenwechsel in der Familien- und Bildungsförderung: weg von der individuellen, hin zu einer im ausreichenden Maße ausfinanzierten institutionellen Förderung. Diesen Antrag reicht die Neuköllner SPD zum Landesparteitag ein, der am 13. November stattfinden wird.

Außerdem stimmten die Delegierten einstimmig einen bezirksübergreifenden Antrag der Kreisverbände Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg zur Zukunft des Tempelhofer Felds zu, in dem die SPD eine umfassende Sicherstellung der Beteiligung von Anwohnerinnen und Anwohnern am Planungsprozess und die Berücksichtigung der Bedarfe und Interessen der betroffenen Bezirke vom Senat einfordert.

Die Neuköllner SPD befürwortet für „ihre“ Seite des Tempelhofer Felds die vorgesehene Bebauung westlich des Schillerkiezes als Chance für eine soziale Stabilisierung der Neuköllner Wohngebiete. Der neu geschaffene Wohnraum soll für breite Schichten bezahlbar sein, insbesondere sozialstabilisierende Bevölkerungsanteile ansprechen und auch genossenschaftliche Wohnformen oder günstige Wohneigentum für breitere Bevölkerungsschichten beinhalten. Die Wohnformen sollen insbesondere Familien ansprechen, die sonst aus sozialen Gründen Nord-Neukölln verlassen. Dabei muss sichergestellt werden, dass die für das Neubaugebiet zusätzliche und im Schilerkiez fehlende soziale Infrastruktur (Schulen, Jugendeinrichtungen, Kinderbetreuungsmöglichkeiten) bereitgestellt und finanziert wird.

Die Neuköllner SPD beschloss ferner, dass auf der Sonnenallee beidseitig ein Fahrradangebotsstreifen eingerichtet werden soll und fordert zudem, dass die Teilnahme an der Nichtschülerprüfung zur nachträglichen Erlangung eines Schulabschlusses nicht wie bisher auf maximal zwei Teilnahmen je möglichen Schulabschluss begrenzt ist sondern unbegrenzt oft möglich wird, da jeder vierte Schüler die reguläre Schule ohne Schulabschluss oder einem Schulabschluss unter ihren Fähigkeiten verlässt. Diese Menschen haben grundsätzlich die Möglichkeit, einen (höherwertigen) Schulabschluss durch eine Nichtschülerprüfung bei der Senatsverwaltung in späteren Jahren nachzuholen. Bislang ist die Teilnahme pro Schulabschluss jedoch auf zwei Versuche begrenzt.

Neuköllner SPD nominiert Buschkowsky zum Spitzenkandidaten

Neuköllner SPD nominiert Buschkowsky zum Spitzenkandidaten 1Die SPD Neukölln hat auf ihrer Kreisdelegiertenversammlung am 30. September einstimmig den Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky erneut zu ihrem Spitzenkandidaten für
die Bezirkswahlen im September 2011 nominiert.

„§§Heinz Buschkowsky ist ein Neuköllner Urgestein, der sich seit jeher für die Interessen der Neuköllnerinnen und Neuköllner einsetzt, Probleme klar benennt, sich den Herausforderungen stellt, aber der auch Lösungswege aufzeigt und Chancen aufgreift§§“, so der SPD-Kreisvorsitzende Dr. Fritz Felgentreu. „§§Wir freuen uns, dass das Aushängeschild der Neuköllner SPD für uns erneut als Spitzenkandidat in die
Bezirkswahlen gehen wird.§§“

Der 62-Jährige ist seit 30 Jahren in der Bezirkspolitik aktiv und seit 1989 in leitenden Funktionen des Bezirksamtes tätig. 2001 wurde Buschkowsky erstmals zum Bezirksbürgermeister gewählt. Seit diesem Jahr vertritt Heinz Buschkowsky die
Berliner SPD im Parteirat.

SPD Neukölln-Mitte zu Besuch in Hamburg

SPD Neukölln-Mitte zu Besuch in Hamburg 2Im Rahmen ihres Jahresausflugs verbrachte die SPD Neukölln-Mitte am vergangenen Samstag einen gemeinsamen Tag in Hamburg.

Die 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden von ihrem ehemaligen Abteilungsvorsitzenden und Wieder-Hamburgers Matthias Albrecht fachkundig durch die Stadt begleitet.

Sören Schumacher, Mitglied der SPD-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft, führte die Gruppe durch das Hamburger Rathaus: die aufwendige Architektur und pompöse Inneneinrichtung begeisterte. Im anschließenden politischen Gespräch diskutierten die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten über Bildungs- und Integrationspolitik des Hamburger Senats und der sozialdemokratischen Alternativen.

Andy Grote, stadtentwicklungspolitischer Sprecher des SPD-Bürgerschafts-Fraktion, führte die Berlinerinnen und Berliner mit interessanten Erläuterungen durch die HafenCity. Europas größte Baustelle beeindruckte mit kreativ-modernen Bauweisen, einem durchdachten Gesamtkonzept – und der Elbphilharmonie an ihrer Spitze, deren Baukosten ins Unermessliche explodieren.

Die Fahrt auf dem größten mobilen Riesenrad der Welt bildete ein besonderes Highlight mit einem tollen Blick über die HafenCity, den Hafen und weite Teile Hamburgs.

Seinen Ausklang fand der ereignisreiche Tag mit einer Rundfahrt in einer Barkasse durch den Hafen, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viele schöne Eindrücke von der Wasserseite der Hansestadt gewinnen konnten.

„Zeuthener Erklärung“ fordert neue Wege in der Kinder- und Bildungsförderung

Die Neuköllner SPD will als Ergebnis ihrer Klausurtagung eine breite Debatte anstoßen, um ein Programm für die Zukunft des Sozialstaats zu definieren. In der „Zeuthener Erklärung“ vom 6. September fordert der Kreisverband:

Bildungskompetenz auf Bundesebene verlagern – Bildungsfonds statt Kindergeld
Bildung und Qualifizierung der Bevölkerung muss Vorrang vor anderen Integrationsmaßnahmen haben. Voraussetzung ist ein Paradigmenwechsel bei der Familien- und Bildungsförderung. Statt Familien vorrangig direkt finanziell abzusichern, muss es darum gehen, Kinder und Jugendliche in exzellenten Bildungseinrichtungen auf den Lebensweg vorzubereiten. Dazu muss die Kompetenz für die Gesetzgebung über die Schulbildung von den Ländern auf den Bund übertragen werden. 50% der bisher für Kindergeld aufgewendeten Mittel sollen in einen Familien- und Bildungsfonds des Bundes und der Länder eingebracht werden. Die Mittel aus diesem Fonds sollen im Verhältnis zur Zahl der Kinder zweckgebunden an die Länder ausgezahlt werden.

Sachleistungen statt mehr Geld pro Person
Von Erhöhungen der ALG-II-Regelsätze ist grundsätzlich abzusehen. Stattdessen sind erhebliche zusätzliche Anstrengungen bei Sachleistungen in den staatlichen Bildungseinrichtungen zu unternehmen. Dazu gehört u.a. eine Kita-Pflicht, eine erstklassige Personal- und Materialausstattung an Schule und Kita, die Garantie der Lernmittelfreiheit, kostenlose Schulverpflegung und freie Heilfürsorge an Schulen.

Familiengründung erleichtern – Familiensplitting einführen
Als wichtigen Anreiz zur Familiengründung in Haushalten, die von Erwerbseinkommen leben, fordern wir die Abschaffung des ungerechten Ehegattensplittings und des Kinderfreibetrags. Diese Instrumente müssen durch ein Familiensplitting ersetzt werden, bei dem die Steuerlast auf alle Familienmitglieder verteilt wird.

Erziehungspflichten durchsetzen
Wir fordern erneut die Ergänzung des Familienrechts um konsequente Anreize, den Elternpflichten nachzukommen. Dabei soll auf die fortgesetzte Verletzung dieser Pflichten auch mit der Kürzung von Transferzahlungen reagiert werden.

Reform des Zuwanderungsrechts: Offene Tore für qualifizierte Zuwanderer
Um dem Fachkräftemangel zu begegnen fordern wir die gezielte Anwerbung und Unterstützung von gut ausgebildeten Zuwanderern und eine Reform des deutschen Zuwanderungsrechts. Dazu gehören die Festlegung von Kontingenten und die Einführung eines Systems zur objektiven Bewertung der Integrations-Voraussetzungen, die ein zuwanderungswilliger Mensch mitbringt (z.B. ein Punktesystem).

Damit Solidarität Zukunft hat: Neue Wege für Kinder und Familien

Zeuthener Erklärung der Neuköllner SPD vom 6. September 2010

|1. Krise des Sozialstaats

Der deutsche Staat unternimmt auf allen Ebenen große Förderungs- und Transferanstrengungen, um Familien zu unterstützen, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und den sozialen Frieden zu erhalten. Nicht nur bei den Renten, im Gesundheitswesen und zur Absicherung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit wenden Staat und Gesellschaft Jahr für Jahr gewaltige Beträge auf. Auch große Investitionen in das Bildungswesen und die unmittelbare Unterstützung von Familien durch Kinder- und Elterngeld sind Ausdruck und Ergebnis sozialstaatlicher Politik und eines über Parteigrenzen hinweg weitgehend konsensualen Verständnisses von gesellschaftlicher Solidarität. Die in Generationen gewachsene politische Kultur einer offenen und solidarischen Gesellschaft ist ein hohes Gut. Sie zu bewahren ist die Pflicht aller politisch Verantwortlichen.

Um ihrer Verantwortung gerecht zu werden, hat die rot-rote Koalition in Berlin seit 2001 wichtige Weichen gestellt. Der Zugang zu Bildung wird durch die schrittweise Einführung der Kostenfreiheit an den Kitas erleichtert. Ein großer Schritt, um die Integrationsfähigkeit der Berliner Schule zu verbessern, ist die Abschaffung der Hauptschule und die damit verbundene Einführung der Sekundarschule.

Im gleichen Zeitraum hat der Bezirk Neukölln unter Führung der SPD seinen sozial- und integrationspolitischen Schwerpunkt im Bereich von Schule und Bildung definiert. Der Aufbau von Ganztagsschulen, die flächendeckende Einrichtung von Schulstationen in Nord-Neukölln, der Abbau der Wartelisten an der Musikschule, die Verbesserung der Sicherheit an den Schulen durch den Einsatz von Wachschutz und ein konsequentes Vorgehen gegen Schulverweigerung sind in gleicher Weise Markenzeichen sozialdemokratischer Politik geworden wie die Entwicklung zukunftsweisender Konzepte wie der Campus Rütli und das erste Ganztags-Gymnasium Berlins an der Albert-Schweitzer-Schule.

Dennoch stellen wir fest, dass es weder auf kommunaler noch auf Landesebene gelungen ist, eine Entwicklung anzuhalten oder umzukehren, die zu gesellschaftlicher Desintegration führt und die langfristig den sozialen Frieden bedroht. Die Kinderarmut wächst kontinuierlich. Ca. 20 % aller Kinder in Deutschland leben inzwischen von ALG II. Gerade die Kinder allein erziehender und gering qualifizierter Eltern sind in wachsendem Maß davon betroffen. Das Schulsystem ist im internationalen Vergleich besonders schlecht darin, Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft gleiche Bildungschancen zu sichern. Wissenschaftliche Studien belegen, wie unterschiedlich die Bildungs- und Aufstiegsperspektiven Berliner Kinder und Jugendlicher sind. Sie sprechen von einer „gespaltenen Kindheit“ in unserer Stadt.

Die Politik muss die Entwicklung als Alarmzeichen für eine Krise des Sozialstaats ernst nehmen. Die Kosten für sozialstaatliche Transfermaßnahmen steigen kontinuierlich an: So sind im Zeitraum 1991 bis 2008 die Sozialleistungen insgesamt in allen Haushalten um rund 70 Prozent auf über 720 Mrd. Euro angestiegen. Ihr Anteil am Bundeshaushalt liegt inzwischen bei über 50%. In Berlin wurde die im Jahr 2008 durch Schuldentilgung erreichte Zins-Entlastung in Höhe von 300 Mio. Euro noch im gleichen Jahr durch die Steigerung der Sozialausgaben wieder aufgezehrt. Wirtschaft und Bildungssystem entfalten eine viel zu geringe Integrationskraft. In Verbindung mit der allgemeinen demographischen Entwicklung stehen wir vor dem Problem, dass Wirtschaft und Verwaltung schon heute mit Überalterung und Fachkräftemangel konfrontiert sind, während gleichzeitig bis zu 25% der Jugendlichen die Schule ohne die notwendigen Voraussetzungen für den Beginn einer Ausbildung verlassen.

|2. Die alten Ziele bleiben richtig

Wenn wir unter den beschriebenen Bedingungen unser hohes Niveau gesellschaftlicher Solidarität auch für die Zukunft dauerhaft absichern wollen, bleiben die alten Ziele sozialdemokratischer Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik dafür die unabdingbare Voraussetzung. Nur durch eine hochproduktive, international konkurrenzfähige Wirtschaft auf industrieller Basis und durch Vollbeschäftigung werden wir in der Lage sein, den Sozialstaat zu erhalten. Nur wenn ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistungserbringern und Leistungsempfängern gewahrt wird, kann unsere Volkswirtschaft die Erträge liefern, die notwendig sind, um allen denjenigen Unterstützung zu geben, die sie brauchen.

Die Erfahrungen der letzten zehn Jahre in politischer Verantwortung auf Landes- und Bezirksebene haben gezeigt, dass die notwendigen Grundsatzentscheidungen für eine nachhaltige Sozialstaatspolitik auf diesen Ebenen nicht getroffen werden können. Mit den Mitteln von Land und Bezirk sind wir nicht in der Lage, einerseits entsprechend den gesetzlichen Vorgaben Bedürftige finanziell und materiell zu unterstützen und die Infrastruktur an Bildungs-, Sport- und Freizeiteinrichtungen zu erhalten und andererseits Schule und Kita so zu reformieren und auszustatten, dass sie die Erziehungs- und Bildungsdefizite von Kindern aus bildungsfernen Familien ausgleichen können.

Diese Erfahrung machen vor allem die Kommunen in Deutschland täglich tausendfach. Neukölln ist insofern zwar ein Vorreiter der Entwicklung, aber alles andere als ein Einzelfall. Die Zeit ist reif für eine gesamtgesellschaftliche Debatte über die Zukunft des Sozialstaates, die auf kommunaler ebenso wie auf Landes- und Bundesebene zu führen ist. Das Leitbild muss dabei ein aktivierender Sozialstaat sein, dessen Maßnahmen dem Ziel dienen, Leistungsempfänger aus der Abhängigkeit von Sozialtransfers zu befreien und keine neuen dauerhaften Abhängigkeiten entstehen zu lassen. Ordnungspolitische Maßnahmen, um bereits eingetretene Fehlentwicklungen zu korrigieren, werden mit der notwendigen Wirksamkeit nur auf Bundesebene geregelt werden können.

|3. Entwicklung eines Programms für die Zukunft des Sozialstaats

Die Neuköllner SPD fordert eine breit, aber nicht langfristig angelegte gesellschaftliche Debatte mit dem Ziel ein Programm für die Zukunft des Sozialstaats zu definieren. Um das Missverhältnis von Fachkräftemangel einserseits und der Arbeits- und Perspektivlosigkeit gering Qualifizierter andererseits wieder ins Lot zu bringen, muss die Bildung und Qualifizierung der gesamten Bevölkerung Vorrang vor allen anderen Maßnahmen haben. Unabdingbare Voraussetzung ist ein Paradigmenwechsel bei der Familien- und Bildungsförderung. Statt Familien vorrangig durch direkte finanzielle Unterstützung materiell abzusichern, muss es in Zukunft nach dem Vorbild von Ländern wie Frankreich und Finnland darum gehen, Kinder und Jugendliche in exzellenten Bildungseinrichtungen auf den Lebens- und Berufsweg vorzubereiten.

Das wichtigste familienpolitische Unterstützungsinstrument sind Kindergeld und Kinderfreibetrag, für die der Bund jährlich Mittel in Höhe von 35 Mrd. Euro aufwendet. Weder die demographische Entwicklung noch die Integrationsbilanz der deutschen Schule sind geeignet, diesen Aufwand zu rechtfertigen. Vielmehr leistet das Kindergeld insbesondere bei bildungsfernen Familien offenkundig keinen Beitrag dazu, die Aufstiegschancen von Kindern zu verbessern.
Auch unter der Zersplitterung der deutschen Bildungslandschaft leidet die Integrationskraft des Bildungssystems und die Vergleichbarkeit seiner Ergebnisse. Die Länder-Zuständigkeit für die Schulbildung ist eine überholte Struktur, die mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Sie blockiert die notwendige große Reform der Bildungsfinanzierung und verhindert den effektiven Einsatz der für die Ausbildung unserer Jugend zur Verfügung stehenden Mittel.
Die Neuköllner SPD fordert deshalb, die Kompetenz für die Rahmengesetzgebung über die Schulbildung von den Ländern auf den Bund zu übertragen und 50% der bisher für Kindergeld aufgewendeten Mittel in einen Familien- und Bildungsfonds des Bundes und der Länder einzubringen. Die Mittel aus diesem Fonds sollen im Verhältnis zur Zahl der Kinder zweckgebunden an die Länder ausgezahlt werden. Die Länder können diese Gelder dann nach getätigten Investitionen im Kita- und Schulbereich zur Refinanzierung abrufen. Die Zweckentfremdung der Mittel zur allgemeinen Entlastung der Landeshaushalte muss ausgeschlossen sein.

Um im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts sozialstaatliche Standards für Kinder und Jugendliche sicherzustellen, fordert die Neuköllner SPD von Erhöhungen der ALG-II-Regelsätze grundsätzlich abzusehen und stattdessen erhebliche zusätzliche Anstrengungen bei Sachleistungen in den Bildungseinrichtungen zu unternehmen. Dazu gehört eine Kita-Pflicht, eine erstklassige Personal- und Materialausstattung an Schule und Kita, die Garantie der Lernmittelfreiheit, kostenlose Schulverpflegung, Sport- und Freizeitangebote im Rahmen der Ganztagsschule, Sport-, Freizeit- und Nachhilfe-Angebote in der Ferienzeit und freie Heilfürsorge an den Schulen.
Das vom Bundesministerium für Soziales vorgeschlagene Gutscheinsystem für ALG-II-Kinder begrüßen wir als ein erstes Signal für eine neue Philosophie in der Familienförderung. Mittel- und langfristig muss es allerdings dazu führen, dass Sachleistungen alle Kinder über die staatlichen Institutionen erreichen. Mit individualisierten Leistungen ist kein nachhaltiger Strukturwandel abzusichern.

Der pädagogische Erfolg des gemeinsamen Lernens in Gemeinschafts- und Sekundarschulen hängt auch davon ab, dass genügend leistungsstarke Schülerinnen und Schüler in diesen Schulen vorhanden sind. Gerade im Interesse der Kinder aus bildungsfernen Familien müssen deshalb die Anreize zur Familiengründung in der Mittelschicht gezielt verstärkt werden. Um die Familiengründung für arbeitstätige Eltern attraktiver zu machen, ist aber nicht nur eine erstklassige Erziehungs-Infrastruktur mit Ganztags-Krippen, -Kitas und -Schulen erforderlich. Als wichtigen materiellen Anreiz zur Familiengründung in Haushalten, die von Erwerbseinkommen leben, fordern wir außerdem die Abschaffung des ungerechten Ehegattensplittings und des Kinderfreibetrags. Diese Instrumente müssen durch ein Familiensplitting nach französischem Vorbild ersetzt werden, bei dem die Steuerlast auf alle Familienmitglieder verteilt wird.

Die anwachsende Höhe des Kindergeldes bei höherer Kinderzahl ist sinnlos. Dieses Instrument kann und darf auch gar nicht ausreichend ausgestattet werden, um die Geburt eines dritten, vierten oder fünften Kindes attraktiver zu machen als die Rückkehr in den Beruf. Falls ein höheres Kindergeld in Familien mit geringer Erziehungs- und Bildungskompetenz als zusätzlicher Anreiz wirkt, mehr Kinder zu bekommen, wirkt es sogar als Fehlsteuerung. Soweit am Kindergeld festgehalten wird, soll deshalb für alle Kinder Kindergeld nur in gleicher Höhe ausgezahlt werden.

Die grundgesetzliche Erziehungspflicht der Eltern ist auch als Pflicht zur Teilnahme an einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung zur Ausbildung und Qualifizierung der Kinder und Jugendlichen aufzufassen. Sie muss rechtlich zu der gesellschaftlichen Unterstützung für Eltern und Familien ins Verhältnis gesetzt werden. Die Neuköllner SPD fordert deshalb die Ergänzung des Familienrechts um konsequente Anreize, den Elternpflichten nachzukommen. Dabei soll auf die fortgesetzte Verletzung dieser Pflichten auch mit der Kürzung von Transferzahlungen reagiert werden. Als Leitsatz gilt dabei die Formel: Kommt das Kind nicht in die Schule, kommt das Kindergeld nicht auf das Konto.

Als zusätzliches Mittel, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, fordern wir aktive Maßnahmen der Bundesrepublik Deutschland im internationalen Wettbewerb um die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und ihrer Familien. Notwendig ist dazu nicht nur die gezielte Anwerbung und Unterstützung von gut ausgebildeten Zuwanderern, sondern auch eine Reform des deutschen Zuwanderungsrechts nach dem Vorbild erfolgreicher Einwanderungsländer wie Kanada und Neuseeland. Dazu gehören die Festlegung von Kontingenten und die Einführung eines Systems zur objektiven Bewertung der Integrations-Voraussetzungen, die ein zuwanderungswilliger Mensch mitbringt (z.B. ein Punktesystem). In ein solches Systems sind auch Zuwanderer einzubeziehen, die im Rahmen der Familienzusammenführung einreisen wollen. Die ungerechte Ungleichbehandlung von Nicht-EU-Zuwanderern, von denen bisher nur ein Teil der Pflicht unterliegt Sprachkenntnisse vorzuweisen, würde damit entfallen.

|4. Berliner SPD muss Impulsgeberin werden

Die in dieser Erklärung zusammengefassten Forderungen erheben nicht den Anspruch die notwendige Debatte zu ersetzen oder ihre Ergebnisse vorweg zu nehmen. Sie erheben auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sind das Resultat politischer Erfahrungen, die die Neuköllner SPD in den letzten zehn Jahren gemacht und diskutiert hat. Wir sind allerdings überzeugt, dass wir aufgrund unserer Erfahrungen genau die zentralen Fragestellungen aufwerfen, denen Politik und Gesellschaft sich stellen müssen, und dass unsere Lösungsansätze geeignet sind, zumindest einen Teil der Probleme im Geist von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität zu lösen.

Die Berliner SPD fordern wir auf, unverzüglich einen ergebnisoffenen Diskussionprozess anzustoßen, der nicht auf parteiinterne Debatten beschränkt bleiben darf. Berlin ist eine Stadt, deren Impulse über ihre eigenen Grenzen hinaus ausstrahlen. Die Berliner SPD hat als politische Kraft den Anspruch, dieser Stadt Richtung und Orientierung zu geben. Wir müssen unsere Kraft nutzen, um rechtzeitig bis zur nächsten Bundestagswahl die Konturen einer Sozialstaatspolitik zu definieren, die unserem solidarischen Gemeinwesen nicht nur eine realistische Zukunftsperspektive bietet, sondern sich auch auf breite gesellschaftliche Akzeptanz gründet.

BVV Neukölln wählt Dr. Franziska Giffey zur Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport

BVV Neukölln wählt Dr. Franziska Giffey zur Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport 3Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Neukölln hat auf ihrer Sitzung am 1. September Dr. Franziska Giffey (SPD) zur Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport
gewählt. Damit tritt sie die Nachfolge ihres langjährigen Vorgängers Wolfgang Schimmang (SPD) an, der Ende Juli aus Altersgründen aus dem Bezirksamt ausschied.

Die 32-Jährige Doktorin der Politikwissenschaft und Mutter eines Sohnes war seit 2002 Europabeauftragte des Bezirksamts Neukölln und bringt als Diplom-Verwaltungswirtin und aufgrund ihrer vielfältigen Tätigkeiten reichhaltige Verwaltungserfahrungen mit in ihr neues Amt.

Zu den politischen Schwerpunkten der neuen Bezirksstadträtin gehören die Sicherung guter Lehr- und Lernbedingungen für alle Schülerinnen und Schüler in Neukölln, die erfolgreiche Umsetzung der Schulstrukturreform im Bezirk und die
Steigerung der Attraktivität von Neuköllner Schulen.

Dr. Giffey ist in ihrem neuen Amt wichtig, die Projekte Campus Rütli und den Neubau der Clay-Schule fortzuführen, den Ausbau von Schulstationen und Elterntreffs voranzutreiben, den Wachschutz an Schulen bedarfsorientiert weiterzuführen und die
Schulen im Umgang mit Schulverweigerern zu unterstützen.

Zudem strebt Dr. Giffey eine stärkere Vernetzung der Kultur- und Bildungsarbeit im Bezirk ebenso an wie eine bessere Zusammenführung von Ressourcen und Potenzialen und möchte sich für die weitere Nutzung von Förderprogrammen (auch
der EU) für Bildung, Kultur und Sport in Neukölln sowie für die Förderung des interkulturellen Dialogs über den Sport einsetzen.

Der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln, Jürgen Koglin (SPD), vereidigte die neue Bezirksstadträtin im Anschluss an ihre Wahl.

SPD Neukölln-Mitte besucht Freilandlabor

SPD Neukölln-Mitte besucht Freilandlabor 4Die SPD Neukölln-Mitte hat es sich zum Ziel gesetzt, ihre Beziehungen zu lokalen Vereinen zu stärken und mehr über die Arbeit von Sozial-, Umwelt- und Bildungseinrichtungen in Neukölln zu erfahren. Vor diesem Hintergrund besuchte die Abteilung am Dienstag, 31. August 2010, das „Freilandlabor“ im Britzer Garten.

Dort stellte uns die Geschäftsführerin des Trägervereins Freilandlabor Britz e.V., Ursula Müller, im Rahmen einer ausführlichen, interessanten und informativen Führung die Aktivitäten des Freilandlabors vor. Der Schwerpunkt des 1987 gegründeten Umweltzentrums liegt in der Förderung der Umweltbildung für Menschen aller Altersgruppen. Gerade in Hinblick auf Kinder und Jugendliche steht dabei das Ziel im Vordergrund, ein neues Verhältnis zu Tieren, Pflanzen und Lebensräumen zu vermitteln. Dabei kooperiert der Verein Freilandlabor Britz e.V., der unter anderem durch Zuschüsse der Senatsverwaltung für Umwelt sowie durch Spenden finanziert und durch eine Vielzahl eherenamtlicher Helferinnen und Helfer unterstützt wird, mit verschiedenen Schulen und Vereinen in der Stadt.

SPD Neukölln-Mitte besucht Freilandlabor 5Pro Jahr besuchen ca. 250 Kita- und Schulklassen das Umweltzentrum, wobei die Nachfrage stetig zunimmt. Damit leistet das Freilandlabor im Britzer Garten eine herausragende Bildungsarbeit, die große Anerkennung auch von Seiten der Politik verdient.

Klausurtagung des Kreisvorstands und der BVV-Fraktion

Klausurtagung des Kreisvorstands und der BVV-Fraktion 6Der SPD-Kreisvorstand und die SPD-Fraktion in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung trafen sich am 27. und 28. August zu einer Klausurtagung im Brandenburgischen Zeuthen. 40 Funktionärinnen und Funktionäre diskutierten zwei Tage lang mit hochkarätigen Referenten über neue Wege in der Kinder- und Bildungsförderung. Im Zentrum stand die Debatte über einen Paradigmenwechsel weg vom Alimentierungsprinzip, hin zu einer starken institutionellen Förderung von Kindern und Familien.

Am Freitag begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Prof. Dr. Gunnar Heinsohn (Universität Bremen), der über die „Veränderungen der Sozialstruktur durch Wanderungsbewegungen und demographische Entwicklung“ referierte. Er präsentierte sozio- und demographische Fakten, die verdeutlichten, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um dem demographischen Wandel und dem damit einhergehenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Als Lösungsmöglichkeit schlug Prof. Heinsohn unter anderem alternative Formen der finanziellen Familienunterstützung als Anreizinstrument und ein neues Zuwanderungsrecht vor, um dem Geburtenrückgang und Fachkräftemangel – und letztendlich auch den damit einhergehenden Folgen für die Sozialkassen – zu begegnen.

Am Samstag hielt Prof. Dr. Hartmut Häussermann (HU Berlin) einen Vortrag über die „Gespaltene Kindheit? Bevölkerungszusammensetzung und Bildungsproblematik in Berlin und Neukölln“. Prof. Häussermann erstellt jährlich das Sozialmonitoring für den Berliner Senat und gilt als „Geburtshelfer“ des Quartiermanagements. Er präsentierte detaillierte Zahlen und Fakten über die Sozialstruktur im Neuköllner Norden und unterstrich den Zusammenhang zwischen Bevölkerungszusammensetzung und Bildungsproblematik am Beispiel Nord-Neuköllns.

Anschließend stellte Prof. Dr. Rüdiger Ernst (Richter am Kammergericht) das Rechtsgutachten von Prof. Dr. G. Witzsch (FH Münster) über den rechtlichen Rahmen für einen Paradigmenwechsel in der Familien- und Bildungspolitik vor. Dabei ging Prof. Ernst auf die dezidierten Fragestellungen des Gutachtens ein und erläuterte die juristischen Antworten von Prof. Witzsch.

Er verdeutlichte, dass das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zur verfassungsrechtlich unzulässigen Intransparenz bei der Berechnung der Höhe des Hartz IV-Satzes von Kindern aus der Würde des Menschen (Art. 1 GG) und dem Sozialstaatsprinzip (Art. 20 GG) ein Grundrecht auf ein Existenzminium mit einer pysischen und sozialen Seite ableite – letzte mit einem Mindestmaß an Teilhabe am kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Leben.

Außerdem macht Prof. Witzsch deutlich, dass die Versorgung für Kinder auf Basis von Sach- und Dienstleistungen statt Geldleistungen (z.B. Ganztagsbetreuung, Kita, freie Heilfürsorge, etc.) verfassungsrechtlich möglich sei.

Eine mögliche Sanktionierung bei Verletzung der elterlichen Fürsorgepflicht durch Verweigerung oder Kürzung von Zuwendungen sieht Prof. Witzsch ebenfalls als rechtlich zulässig. Dies könne das Kindergeld betreffen oder auch Sozialleistungen, setze jedoch immer eine richterliche Individualprüfung voraus.

In der auf die Vorstellung des Gutachtens folgende Diskussion stimmten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin überein, dass das Kindergeld kein Existenzminimum gewährleistendes Instrument des Staates ist, sondern eine Äquivalenz für erzieherische Leistungen. Eine Kürzung des Kindergelds bei Verletzung der elterlichen Fürsorgepflicht schaffe einen Anreiz für die Eltern, es nicht zu einem Sorgerechtsentzug kommen zu lassen.

Abschließend begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Polizeihauptkommissar Christian Horn von der Polizeidirektion 5, zu der auch Neukölln zählt. Er erläuterte den Arbeitsalltag von ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen in sozial schwierigen Kiezen und formulierte „Anforderungen der Praxis an Gesetzgeber und Exekutive“.

Last but not least diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die gewonnenen Erkenntnisse und berieten über eine gemeinsame Erklärung „Damit Solidarität Zukunft hat: Neue Wege für Kinder und Familien“, die vom Kreisvorstand am 6. September verabschiedet werden soll – und in der die Erkenntnisse und Diskussionsergebnisse der Klausurtagung aufgegriffen werden.