Zum 4. Mal Chanukka-Fest im Rathaus Neukölln

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Feierten das Lichterfest mit: Bezirksbürgermeister Martin Hikel (hi.) mit Stadträtin Janine Wolter, Cordula Klein, Franziska Jahke, und Bijan Atashgahi

Jüdisches Leben ist in Neukölln herzlich willkommen. Das ist die Botschaft, die der Bezirk Neukölln in die Welt sendet mit der Feier des Chanukka-Festes, die in diesem Jahr zum 4. Mal im Foyer des Rathauses Neukölln stattgefunden hat. Überschattet wurde das jüdische Lichterfest von einem antisemitisch motivierten Anschlag in Sydney auf Besucher einer Chanukka-Feier am Strand „Bondi Beach“, bei dem am 14. Dezember 15 Menschen getötet und Dutzende weitere Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden.

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Neuköllns Bezirksstadträtin Janine Wolter (li.) und SPD-Fraktionsvorsitzende Cordula Klein

Zum Chanukka-Fest waren mehr als 200 Menschen gekommen, darunter erneut Angehörige vieler Glaubensgemeinschaften, neben Juden auch Menschen muslimischen und christlichen Glaubens, unter ihnen der Leiter der Deutsch-Arabischen Schule Ibn Khaldun, Prof. Dr. phil. Hudhaifa Al-Mashhadani, sowie der Imam der Dar-Assalam-Moschee, Mohamed Taha Sabri. Auch unsere SPD-Fraktion war vertreten, so mit unserer Fraktionsvorsitzenden Cordula Klein sowie unseren Bezirksverordneten Bijan Atashgahi und Franziska Jahke. Ferner waren unsere Stadträtin für Bildung, Kultur und Sport, Janine Wolter, und unser Bundestagsabgeordneter Hakan Demir zugegen. Auch Neuköllns Bezirksverordnetenvorsteher Karsten Schulze nahm teil. Zu den Besuchern sprachen unser Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der Rabbiner Jeremy Borowitz sowie Nina Peretz von den „Freunden der Synagoge Fraenkelufer“.

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Der Chanukka-Leuchter wird angezündet

Unser Bezirksbürgermeister Martin Hikel zeigte sich zutiefst betroffen von dem Anschlag in Sydney und bat die Chanukka-Festbesucher um einen Moment des Innehaltens und Gedenkens. Nach der Schweigeminute verwies er darauf, dass „die Lehre aus den schrecklichen Gräueltaten der Shoa ist, dass wir jeden schützen müssen. Dazu gehört auch der konsequente Kampf gegen jede Form des Antisemitismus, egal, wie er sich heutzutage zeigt. Wenn wir ihn nicht gewinnen, dann gewinnen wir auch nicht als Demokratie. Und darum muss es immer eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir jede Form der Menschenfeindlichkeit bekämpfen. Und ich möchte hier sagen, was mich sehr betroffen macht: Ich spüre und ich sehe einen doch durchaus weltweiten Konsens darin, dass der Antisemitismus eben nicht in der Konsequenz bekämpft wird wie andere Formen der Menschenfeindlichkeit – und das sollte uns nachdenklich machen“. Umso wichtiger sei es, Licht in diese Dunkelheit zu bringen und sichtbar zu machen, dass wir dem widersprechen, was gerne auch über Menschen in unserem Bezirk gesagt wird – mit Taten und Aktiven, die sich mutig gegen jede Form des Antisemitismus und gegen jede Form des Extremismus konsequent stellen. Dafür stehe auch das Chanukka-Fest, das im Rathaus gefeiert wird, so Hikel.

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Rabbiner Jeremy Borowitz hält die Ansprache

Nina Peretz berichtete, dass man tags zuvor in der Synagoge am Fraenkelufer Chanukka fröhlich gefeiert habe, obgleich man „unter dem Eindruck der schrecklichen Bilder aus Sydney“ stand. „Das Licht überwiegt, und wir feierten fröhlich – und als die Synagoge voll war mit Kindern und voll war mit Menschen und vor allem mit der Musik von Shtetl Berlin, musste man einfach fröhlich sein. Und das Judentum macht es auch möglich, dass man in Momenten der Trauer und der Angst auch fröhlich ist.“ Es sei wichtig, so Peretz, Judentum und jüdische Identität sichtbar zu machen im öffentlichen Raum. Und genau darum gehe es auch bei Chanukka: Schließlich gehe es darum, „dass man sich nicht hinter hohen Mauern und Sicherheitszäunen versteckt, sondern dass man Judentum offen lebt und nach außen zeigt.“ Angst sei nie ein guter Begleiter, habe Rabbiner Borowitz einmal gesagt. Sie dankte ihm für die Organisation des Festes und hob hervor, dass es dafür Menschen brauche, die daran glauben und die das unterstützen – Menschen wie unseren Bezirksbürgermeister Martin Hikel. Rabbiner Borowitz unterstrich, für wen die Kerzen an Chanukka und am Shabbat angezündet werden. „Wir stehen jetzt heute zwischen dem Licht und der Dunkelheit, wir wollen froh sein, aber spüren auch diese Traurigkeit in uns“, sagte er angesichts des Anschlags in Sydney und erklärte, warum es so wichtig ist, fröhlich Chanukka zu feiern im Moment der Dunkelheit.  „Ich zünde die Kerzen an, nicht nur für mich. Ich zünde die Kerzen an, so dass alle wissen, dass ein Wunder passiert. Ich zünde die Kerzen hier an – für dich und dich und dich“, sagte er.  Dann gedachte er der Opfer des Anschlags von Sydney und hob stellvertretend den Rabbiner von Bondi-Beach hervor, Eli Schlanger. Ein Freund von Schlanger habe Borowitz von Schlangers großer Hilfsbereitschaft und Offenheit erzählt. „Du brauchtest ihn nur anrufen und er stand für dich bereit. „Was brauchst du? Was kann ich für dich tun?“ Er war ein Mensch, der immer das Licht für andere bereithielt,“ so Borowitz. Er sprach auch Ahmed Al Ahmad seinen Dank aus und nannte auch ihn, den Moslem, der einen der Angreifer von Sydney überwältigte und dabei durch mehrere Schüsse des zweiten Angreifers verletzt wurde, einen Helden. „Wir können unsere Stadt, unsere Kinder, unser Land besser machen, aber nur wenn wir das Licht nicht nur für uns entzünden,“ sondern für alle.

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Jeremy Borowitz dankt Martin Hikel für sein Engagement

Chanukka ist ein achttägiges Fest, das jährlich zum Gedenken an die Wiedereinweihung des Zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. oder im Jahr 3597 der jüdischen Zeitrechnung gefeiert wird. Acht Kerzen werden entzündet, weil der Ölvorrat für die Tempellampe, der eigentlich nur für einen Tag hätte ausreichen können, für acht Tage reichte – ein Wunder. Nachdem die erste Kerze angezündet wurde, wird jede Nacht eine weitere Kerze an dem neunarmigen Leuchter (Chanukija), der an die Tempelleuchte erinnert, angezündet.

Nach dem offiziellen Teil gab es der Tradition gemäß Sufganijot und Getränke für die Besucher sowie die Einladung zum Tanzen zur Musik von Shtetl Berlin, um das Fest des Lichts und der Freude zu feiern.

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Musikalisch untermalt wird die Veranstaltung von Shtetl Berlin