
Rund 300 Menschen haben am 21. März zum diesjährigen Internationalen Tag gegen Rassismus in Rudow eine Menschenkette gebildet und damit ein Zeichen gesetzt gegen Rassismus und für 100 Prozent Menschenwürde, Respekt, Vielfalt und Demokratie. Auch unsere SPD- Fraktion war zugegen, mit unserem Rudower Bezirksverordneten Peter Scharmberg, unserer stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Gabriela Gebhardt sowie unserem Bürgerdeputierten Andreas Domann. Ebenso vor Ort war unsere Berliner Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Franziska Giffey.
Zu der alljährlichen Aktion aufgerufen hatte die zivilgesellschaftliche Initiative „Rudow empört sich – Gemeinsam für Respekt und Vielfalt“. Sie hatte sich als Reaktion auf eine massive Serie rechtsextremer Anschläge und Drohungen in Rudow, Britz und Buckow gegründet und setzt sich seit dem mit friedlichen und kreativen Mitteln für ein demokratisches Miteinander ein. Sie organisierte unter anderem Open Air-Filmabende, offene Tafeln, historische Fahrradtouren durch Rudow, Gesprächsabende und eine Stolpersteinverlegung. Dafür wurde ihr 2025 der Neuköllner Engagementpreis verliehen.

Hauptredner am Internationalen Tag gegen Rassismus in Rudow war unser Bezirksbürgermeister Martin Hikel. Er stellte klar, „dass wir zwar das Thema Vielfalt schon ein Stück weit als Normalität leben, aber dies eben noch keine Selbstverständlichkeit ist.“ Sichtbar werde dies im Alltag etwa, „wenn Menschen sich auf die Wohnungssuche machen und vielleicht einen Namen haben, der nicht nach Schneider oder Schmidt klingt, sondern der eine andere Herkunft verrät, und dann eben nicht eingeladen werden zur Wohnungsbesichtigung.“ Auch in Bewerbungsgesprächen zeige sich diese Ungleichbehandlung. Menschen mit ausländisch klingenden Namen, „vielleicht einem türkisch- oder arabischen Nachnamen“, werden mitunter anders bewertet und müssen höhere Anforderungen erfüllen als Personen mit Namen wie Schmidt, Schneider oder Hikel. Der Kampf gegen Rassismus sei daher „immer auch ein Kampf für Fairness und für gleichberechtigte Teilhabe.“ Mit Blick auf die AfD, die während der Menschenkette einen Wahlkampfstand aufbaute, betonte Hikel das Engagement von „Rudow empört sich“, der Alten Dorfschule Rudow sowie jedes Einzelnen in Rudow, der sich Rassismus entgegenstellt. Es liege in der Verantwortung aller, jenen entgegenzutreten, die das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, die Zeit von 1933–1945, „nur als ein kleinen Vogelschiss in der Geschichte“ bezeichnen. „Sie versuchen genau diesen Teil unserer Wurzeln, unserer Herkunft zu tilgen, um damit eine Umkehr herbeizuführen und den Spaltpilz in unserer Gesellschaft wieder hineinzutragen“, betonte Hikel. Mit Blick auf unsere Geschichte wisse man, warum man sich für Gerechtigkeit und Demokratie einsetze. „Dafür müssen wir die Menschen überzeugen, dass genau dieser Weg nicht nur in die Irre, sondern ins Verderben führt für alle Menschen in unseren Gesellschaften.“ Das dürfe sich niemals wiederholen. Es sei eine gemeinsame Verantwortung. „Und ich glaube, in der Breite, wie Sie, wie Ihr sie hier darstellt, gibt es Hoffnung, dass wir genau diese Spaltpilze isolieren können, damit sie eben auf Granit treffen, wenn sie versuchen, uns zu spalten, dass sie nicht weiterkommen, dass die besseren Argumente, nämlich die demokratischen Argumente, überzeugen“, so Hikel.

Für die Initiative sprach die Politikwissenschaftlerin, Historikerin und Publizistin Claudia von Gélieu. Sie war neben vielen anderen selbst Opfer eines rechtsextrem motivierten Brandanschlags auf ihren Pkw, so wie unser Genosse Scharmberg und unsere Genossinnen Gebhardt und Mirjam Blumenthal. Gélieu berichtete vom fünften rechten Angriff auf den Rudower Buchhändler Heinz-Jürgen Ostermann, der Rudow empört sich“ gründete. Ein gezielt geworfenes Ei auf sein Schaufenster habe für Angst gesorgt. Ostermann habe den Angriff am Morgen des 23. Februar entdeckt. Das Ei sei exakt an der Stelle platziert worden, an der eine „Rudow empört sich“-Postkarte angebracht ist. Dort befinden sich zudem ein Plakat gegen rechte Populisten sowie eine Kopie seiner Urkunde der Neuköllner Ehrennadel, die ihm auch für sein zivilgesellschaftliches Engagement für ein friedliches Neukölln ohne Rassismus und Ausgrenzung verliehen wurde. Dieser Vorfall reiht sich in eine Serie rechter Gewalttaten in Neukölln ein, der die Generalstaatsanwaltschaft mehr als 200 Straftaten zurechnet. „Dieses Mal war es „nur“ ein Ei. Doch es zeigt, die Versuche zivilgesellschaftlich Engagierte einzuschüchtern, gehen weiter“, sagte Gélieu. Sie kritisierte, dass eine diesbezügliche Anfrage der Initiative „Rudow empört sich“ an die zuständige Polizeidirektion unbeantwortet geblieben sei.
„Rudow zeigte mit der Menschenkette eindrucksvoll, was unsere Demokratie stark macht: Zusammenhalt, Vielfalt und der klare Wille, sich Hass und Ausgrenzung entgegenzustellen. Als SPD stehen wir fest an der Seite all jener, die sich tagtäglich für ein respektvolles Miteinander einsetzen. Rassismus und rechter Terror haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, Haltung zu zeigen, Betroffene zu schützen und die demokratischen Werte aktiv zu verteidigen – hier in Rudow und überall in unserem Land“, sagt Scharmberg.

