
Wo auf der Welt Menschen an Jesus als dem Sohn Gottes und an seine Auferstehung glauben, gibt es Weihnachtskrippen. Sie sind so vielfältig wie die Kulturen, in denen sie einen festen Platz gefunden haben. Ob Stall-, Tempel-, Höhlen-, Landschafts- oder Kastenkrippe – gegenwärtig sind Krippen neben dem Weihnachtsbaum, der mit dem 19. Jahrhundert populär wurde, dekorativer Bestandteil des Weihnachtsfestes auf der ganzen Welt.
Einen Blick in die Welt der Krippen wirft der Rudower Krippensammler Lothar Hermann. Unser Fraktionär Peter Scharmberg besuchte ihn und die Ausstellung im Vorfeld der Eröffnung am 24. November. Seit Jahrzehnten sammelt Hermann Krippen. Ausgewählte Krippen seiner Sammlung sind auch in diesem Jahr in den Räumen des Heimatvereins in Alt-Rudow 60 gegenüber der Seniorenfreizeitstätte zu bestaunen. Dabei zeigt Hermann mit seinen Exponaten, wie vielfältig die Welt der Krippen ist. Unter anderem zu sehen sind Hermanns Lieblingskrippe aus Korea, Krippen aus Afrika, eine holzgeschnitzte Krippe aus der Schweiz und Bleikrippen, um nur einige Beispiele zu nennen. Und wer aktuell einen Blick auf die Welt der Krippen wirft, wird feststellen, dass die Ideen, Krippen zu kreieren, bis heute nicht ausgehen. Und nicht nur das: Die Geburt Jesu ist schon lange Gegenstand der Geschichtsforschung. Und auch historische Krippen werden im Laufe der Zeit neuinterpretiert. 2020 fühlte sich das Evangelische Dekanat in Ulm „durch die gesellschaftliche Debatte über Rassismus in all seinen Facetten“ sensibilisiert.

Eine Krippe des Bildhauers Martin Scheible, die er in den 20er Jahren des vorherigen Jahrhunderts fertigte, zeigt einen Melchior „mit einer Fratze, wulstigen Lippen, einer grotesken Körperhaltung sowie unschönen Beinen“. Hinzu kommt ein „Mohrenkind“, das einem weißen König als als Schleppenträger dient – die Krippe wird seit 2023 nicht mehr ausgestellt, „weil sie rassistische Stereotypen bedient“, so der Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Ganz anders war dies zur Zeit der österreichischen Kaiserin Maria Theresia (1717-1780). Sie verbot das Aufstellen von Krippen per se, weil sie in der öffentlichen Krippenverehrung einen Mangel an Frömmigkeit vermutete. Doch damit trug sie zur weiteren Ausbreitung der Krippenverehrung zu Weihnachten bei. So führte die Verbannung von Weihnachtskrippen aus öffentlichen Gebäuden und Kirchen dazu, dass sich das Bedürfnis nach dem „Krippeleschauen“ in die Stuben der Gläubigen verlagerte. Um dem Bedürfnis nachzukommen, entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kleinformatige Krippen in Papierform, die nahezu für jeden erschwinglich waren. Dabei orientierten sich die Krippen in der Art der Gestaltung an den im 17. und 18. Jahrhundert in Mode gekommenen Papierschnitt und den kleinen als Kulissenbühnen gestalteten Schaukästen. Diese gab es als gemalte Versionen und Druckerzeugnisse im deutschsprachigen Raum des 18. Jahrhunderts.

Papierkrippen boten den Vorteil einer Platz sparenden Aufstellung und konnten dennoch effektvoll in Szene gesetzt werden. Außerdem waren dem Detailreichtum gemalter Figuren kaum Grenzen gesetzt. Neben handgemalten Unikaten existierten gedruckte Ausschneidebögen und meist handkolorierte Guckkastenkrippen, die durch die perspektivische Anordnung von mehreren Kulissenblättern den Tiefenraum einer Bühne nachahmten. Dank der Lithografie waren Papierkrippen im 19. Jahrhundert sehr weit verbreitet, bemerkt das Diözesanmuseum Hofburg Brixen in Südtirol. Schließlich ermöglichte die Lithografie als Drucktechnik eine günstigere Produktion. Bis in unsere Zeit bieten Verlage noch Papierkrippen als Ausschneidebogen zum selber basteln an, was einst stets ein würdiges Familienereignis war.

In der Krippendarstellung geht es um die Versinnbildlichung der Menschwerdung Gottes. Nun ist die Verehrung der Menschwerdung des Gottessohnes so alt wie das Christentum selbst. Erzählt wird die Geschichte im Evangelium nach Lukas und im Evangelium nach Matthäus, wobei die doch unterschiedlichen Geschichten in Grundzügen übereinstimmen, auch wenn sie sich voneinander unterscheiden. In einer von Wissenschaft geprägten und aufgeklärten Gesellschaft ist es verständlich, dass auch die Weihnachtsgeschichte auf ihre historische Echtheit überprüft wird. Was ist also nach geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen wahr an der Geschichte von Jesu Geburt?, fragte sich auch der Historiker Benjamin Hasselhorn von der Julius Maximilians Universität Würzburg zur Weihnachtszeit. Hasselhorn kommt zu dem Schluss, dass Fakten und Deutung miteinander verwoben sind. Wie er bei aller Sorgfalt von Fakten und quellenbasierter Forschung zu dem Schluss kommt, dass beide „eine sinnstiftende Geschichte geschrieben und damit einen Mythos begründet“ haben, der „von der Geburt des Retters handelt, der der Welt endlich Frieden bringen wird“, erzählt er in einem sehenswerten You Tube Video. Es ist unter https://www.youtube.com/watch?v=nQ90-k6bUTw abrufbar. Hasselhorns Fazit bei aller Überprüfung von Fakten wie dem Zeitpunkt der Geburt, dem Ort der Geburt, dem Stern von Bethlehem, den Zeugen der Geburt sowie der Überprüfung der historischen Quellen lautet: „Und ganz egal, ob wir diese Geschichte für historisch zuverlässig halten oder nicht: Gebrauchen können wir sie ziemlich gut, diese Friedensbotschaft.“ Das sieht auch unser Bezirksverordneter Scharmberg so: „Solche Ausstellungen leisten einen wichtigen Beitrag zum interkulturellen Verständnis in unserem vielfältigen Neukölln. Und gegenseitiges Verstehen und Respektieren über das kulturelle Selbstverständnis hinaus, ist die Basis für ein friedliches Zusammenleben der Kulturen, wofür wir uns als SPD tagtäglich einsetzen.“
Rudower Heimatverein
112. Ausstellung des Rudower Heimatvereins
Krippen aus aller Welt, Sa. und So.: 29.11.25 – 21.12.2025, 10.00- 16.00 Uhr.
Die offizielle Eröffnung ist am 29.11.2025 um 11.00 Uhr in den Räumen des Heimatvereins Rudow in Alt-Rudow 60

