
Persönliche Einblicke, politische Diskussionen und klare Botschaften zur Zukunft Berlins bestimmten den Besuch unserer Berliner Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe Franziska Giffey in der Rudower Buchhandlung Leporello. Bei der Vorstellung ihres „Giffeys kleines Kochbuch“ kam sie mit rund 80 Besucherinnen und Besuchern über aktuelle landespolitische Themen ins Gespräch. Unter den Gästen befanden sich auch der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Neukölln, Peter Scharmberg, sowie unsere Rudower Genossin Christa Kaiser. Durch den Abend führte der ehemalige rbb-Moderator Ulli Zelle, der die Veranstaltung mit Charme und viel Berliner Humor moderierte.
Franziska Giffey erklärte, dass die Idee zu ihrem Kochbuch aus den zahlreichen Nachfragen ihrer Social-Media-Community entstanden sei. Die zwölf Lieblingsrezepte, darunter ein Rezept für Berliner Bouletten, seien eng mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Besonders der Hefekuchen ihrer Großmutter, der den Gästen serviert wurde, stehe für Familie, Gemeinschaft und das Zusammenkommen am Tisch.
„Politik lebt vom Austausch, von guten Gesprächen – und manchmal auch von guten Rezepten, die Menschen an einen Tisch bringen“, sagte Giffey. Diese Haltung prägt auch ihre politische Arbeit: Bürgernähe entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Im Mittelpunkt des Abends standen anschließend die aktuellen Herausforderungen für Berlin. Ausführlich sprach Giffey über die wirtschaftliche Entwicklung der Hauptstadt, die Verkehrsinfrastruktur und die Energiepolitik. Die Verlängerung der U7 zum BER bezeichnete sie als wichtiges Zukunftsprojekt für die gesamte Metropolregion Berlin-Brandenburg. Gleichzeitig warb sie dafür, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und Bürokratie konsequent abzubauen, damit Investitionen schneller umgesetzt werden können.

Auch die Energiewende spielte eine wichtige Rolle: Giffey verwies darauf, dass sich die Zahl der Solaranlagen in Berlin während ihrer Amtszeit von rund 20.000 auf inzwischen etwa 50.000 erhöht habe. Beim Ausbau der Windenergie seien die Möglichkeiten Berlins dagegen aufgrund der begrenzten Flächen naturgemäß eingeschränkt. In Berlin können keine großen Windenergieparks entstehen, höchstens vereinzelte Anlagen, etwa in Gewerbegebieten.
Weitere Themen waren die Wiederinbetriebnahme des Wasserwerks Johannisthal, Maßnahmen gegen die Grundwasserproblematik sowie die Entwicklung des ehemaligen Bahnhofsgeländes in Rudow. Zum Thema Grundwasserproblematik erläuterte Giffey, die sich seit sehr vielen Jahren vehement für eine Lösung einsetzt, dass der Aufsichtsrat der Berliner Wasserbetriebe, deren Vorsitz sie inne hat, am 6. Mai 2026 beschlossen habe, das stillgelegte Wasserwerk Johannisthal wieder in Betrieb zu nehmen. Für die Anwohner des Rudower Blumenviertels, die seit Jahrzehnten unter steigendem Grundwasser leiden, ist das eine lang ersehnte Nachricht. Im Zuge der Wiederinbetriebnahme des Wasserwerks werde auch die Brunnengalerie zur Regulierung der Grundwasserstände saniert. Das bedeutet, dass Wasser im Keller, schimmelnde Wände, rissige Fundamente der Vergangenheit angehören. Eine sehr gute Nachricht für Rudow.
Zum Abriss des historischen Bahnhofshäuschens erläuterte Giffey, dass dies auch für sie schmerzhaft sei, dem Beschluss allerdings ein umfangreiches Beteiligungsverfahren vorausgegangen sei und das Gebäude letztlich nicht als ausreichend denkmalwürdig eingestuft worden sei. Im Umfeld des Bahnhofs werden dringend benötigte Wohnungen gebaut.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung der Hauptstadt spielte eine wichtige Rolle. Berlin verzeichne seit Jahren ein Wirtschaftswachstum über dem Bundesdurchschnitt. Voraussetzung dafür seien innovative Unternehmen, Investitionen und eine moderne Verwaltung. Deshalb müsse Bürokratie konsequent abgebaut, Genehmigungsverfahren beschleunigt und die Digitalisierung der Verwaltung weiter vorangetrieben werden.
Großen Raum nahm schließlich die aktuelle politische Lage ein. Angesichts des erstarkenden Rechtspopulismus warb Giffey eindringlich für den Schutz der Demokratie. Sie erinnerte an die friedliche Revolution von 1989 und betonte, dass Freiheit, Menschenrechte und demokratische Errungenschaften keine Selbstverständlichkeit seien. Lange habe man geglaubt, diese Errungenschaften seien dauerhaft gesichert. Heute zeige sich jedoch, dass Menschenrechte, Frauenrechte und demokratische Freiheiten, die in Deutschland auch viele Generationen zuvor erkämpft wurden, immer wieder neu verteidigt werden müssten. Jede Generation müsse bereit sein, diese Werte erneut zu verteidigen und Verantwortung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu übernehmen, so Giffey.
„Franziska Giffey hat eindrucksvoll deutlich gemacht, worauf es gerade jetzt ankommt: Demokratie lebt vom Dialog und vom Engagement der Menschen. Angesichts der Angriffe auf unsere demokratischen Werte dürfen wir nicht schweigen. Freiheit, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit müssen jeden Tag aufs Neue verteidigt werden. Gleichzeitig brauchen wir eine starke Wirtschaft, moderne Infrastruktur und eine leistungsfähige Verwaltung, damit Berlin auch in Zukunft ein lebenswerter und erfolgreicher Standort bleibt“, kommentierte Scharmberg den Abend.
Zum Abschluss des Abends konnten die Gäste Giffeys Obsttorte genießen und ihre Kochbücher signieren lassen. So blieb nicht nur ein persönlicher Einblick in das Leben der Wirtschaftssenatorin in Erinnerung, sondern vor allem ein offener politischer Austausch über die Zukunft Berlins und die gemeinsamen Aufgaben für eine starke, solidarische und demokratische Hauptstadt.

