Fahnen zum Tag der Gewalt gegen Frauen und Mädchen vor dem Rathaus gehisst

Fahnen zum Tag der Gewalt gegen Frauen und Mädchen vor dem Rathaus gehisst 1
Ein wichtiges Signal – Gewalt gegen Frauen geht uns alle an

Zum Gedenktag „NEIN zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ hat unser Bezirksbürgermeister Martin Hikel am 25. November im Beisein unserer Bezirksverordneten Franziska Jahke, unseres Bundestagsabgeordneten Hakan Demir, unserer Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport Karin Korte, sowie unserer Mitglieder im Abgeordnetenhaus Derya Çağlar und Nina Lerch und vieler Stadtteilmütter Fahnen gehisst. Für Hikel ist es wichtig, Männer und die männlichen Täter mehr in die Verantwortung zu nehmen und das Thema insgesamt zu enttabuisieren.

Wie gravierend das Problem Gewalt gegen Frauen ist, zeigt alljährlich die Statistik. Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau wird laut Kriminalstatistik mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Betroffen sind Frauen aller sozialer Schichten. Opfer von Partnerschaftsgewalt sind mit über 80 Prozent  überwiegend Frauen. Etwa die Hälfte von ihnen hat in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Tatverdächtigen gelebt, so die aktuelle kriminalstatistische Auswertung zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamtes für das Jahr 2020.  Von den 148.031 Menschen, die Opfer von Partnerschaftsgewalt (2019: 141.792) wurden, waren 119.164 Opfer weiblich. Darunter wiederum fielen rund 85.000 Fälle von Körperverletzung, 12449 davon gefährlicher Art. 359 weibliche Opfer wurden entweder ermordet oder tot geschlagen. Noch deutlicher wird das Bild bei sexualisierter Gewalt und bei Delikten wie Stalking, Nötigung: Bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind die Opfer zu 98 Prozent weiblich, bei Stalking, Bedrohung und Nötigung in der Partnerschaft sind es 88,7 Prozent. Das so genannte Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer. Diesen Schrecken vor Augen, hat die SPD mit der damaligen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bereits 2020 das Bundesförderprogramm gegen Gewalt an Frauen gestartet – das allererste in der Geschichte dieses Landes. Für die ersten vier Jahre stehen damit rund 120 Millionen Euro zur Verfügung, um Frauenhäuser auszubauen und zu modernisieren und Beratungsstellen auszubauen. Hinzu kommen das bundesweite Hilfstelefon Gegen Gewalt (08000/116016) sowie die Initiative „Stärker als Gewalt“, die auf das Thema aufmerksam macht, sowie der von Giffey initiierte ‘Runde Tisch gegen Gewalt an Frauen’. Darüber gibt es nun eine Berichterstattungsstelle gegen geschlechtsspezifische Gewalt.

Auch auf Berlinebene tun die Sozialdemokrat*innen alles dafür, dass Gewalt gegen Frauen kein Thema mehr ist. Aktuell verfügt Berlin über 990 Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder. Es gibt 840 reguläre Plätze in sieben Frauenhäusern, 47 Zufluchtswohnungen sowie 50 Zweite-Stufe-Wohnungen. Hinzu kommen 150, im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie eingerichtete Notplätze in einem Stadthotel. Die SPD – geführte Senatsverwaltung für Gleichstellung arbeitet ferner mit Hochdruck am quantitativen und qualitativen Ausbau der Schutzplätze. So werden noch in 2021 87 zusätzliche reguläre Schutzplätze in Betrieb genommen: Im 2. Quartal werden 32 Schutzplätze in Betrieb genommen: 15 durch den Umzug eines bestehenden Frauenhauses in eine größere, barrierefreie Immobilie, 17 durch den Weiterbetrieb der bisherigen Immobilie. Im 4. Quartal soll ein 8., barrierefreies Frauenhaus mit 55 Plätzen zur Verfügung stehen. Für langfristige Perspektiven hat das Land Berlin eine Immobilie angekauft, die als 9. Frauenhaus mit rund 30 Plätzen bis Ende 2022 ausgebaut werden soll. Auch für gewaltbetroffene LSBTI Personen, die eine Unterbringung in einer Schutzeinrichtung benötigen, wurde bereits im April 2019 eine anonyme „Krisen- und Zufluchtsunterkunft für LSBTI Personen“ mit fünf Plätzen für alle Geschlechter eingerichtet. Ein Angebot, dass wohl erweitert werden muss. „Gewalt gegen Frauen und Mädchen muss entschlossen entgegen getreten werden. Deshalb muss der Ausbau und die Verbesserung der Berliner Fraueninfrastruktur weiter voran gehen, damit Frauen und Mädchen besser geschützt sind und notwendige Hilfsangebote erhalten können”, ist Derya Çağlar MdA überzeugt.

Neben Maßnahmen wie diesen, sind auch symbolische Akte wie eine Fahnenhissung vor dem Rathaus Neukölln zum Tag der Gewalt gegen Frauen von Bedeutung. „Es ist wichtig, ein Zeichen im öffentlichen Raum (ein öffentliches Zeichen) zu setzen, um uns alle daran zu erinnern, dass wir etwas gegen Gewalt an Frauen tun können. Und zwar in dem wir nicht weggucken und die Gewalt gegen Frauen nicht ignorieren, sondern aufmerksam sind, Hilfe anbieten und uns gegen jede Art von Gewalt gegen Frauen klar und deutlich positionieren“, sagt unsere Bezirksverordnete Franziska Jahke. 

Tipp: Zurzeit wird im 2. Obergeschoss der Neukölln Arcaden in der Karl-Marx-Straße 66 die Ausstellung „WIR STEHEN AUF – STARKE FRAUEN“ gezeigt. Die Ausstellung zeigt vor allem starke Frauen, mit denen sich Betroffene identifizieren können. Zudem bietet sie Informationen über unterschiedliche Hilfsangebote für Frauen in ganz Berlin. Sie kann vor allem betroffenen Frauen Mut machen, sich zu wehren, beziehungsweise sich Hilfe zu holen.