Zwischen Zerstörung und Zuversicht: Eine Fotoausstellung erinnert an die Folgen des Erdbebens in der Türkei von 2023

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Sahen eine berührende Ausstellung: Die SPD-Fraktion Neukölln mit Cindy Adjei, Vorsitzender Codula Klein und stellv. Vorsitzendem Marko Preuß (2.,3. u. 6.v.li.) mit Stadträtin Janine Wolter (5.v.li.) und den Machern der Ausstellung

„Mittlerweile sind seit dem Erdbeben 64 Stunden vergangen. Jemand schreit, dass er eine Frauenstimme hört. Noch kurz davor war dort ein Bagger im Einsatz. Stille. Wir hören hin. Ja, da ist tatsächlich etwas, ein leises Geräusch. Unsere Herzen schlagen schneller, wir alle versuchen, den Schutt mit bloßen Händen zu entfernen. Das Geräusch wird lauter, es klingt wie ein Wimmern. Und … aus den Trümmern schaut uns ein kleines Hundegesicht an. Ja, es lebt. Ich gebe ihm sofort einen Namen: ‚Pamuk‘. Das ganze Team, die Menschen um uns herum sind voller Freude, Hoffnung – ein Moment der Fröhlichkeit. Der süße Hund gibt uns Kraft. Später erfahre ich, dass der Name des Hundes tatsächlich ‚Pamuk‘ ist. Alles liegt unter Trümmern begraben – der Staat, Menschen, Tiere, Fahrzeuge, alles Materielle. Nur eines hat das Erdbeben nicht zerstört: die Hoffnung.“

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Ließen sich die Ausstellung erläutern: Neuköllns Kultur-Stadträtin Janine Wolter mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner

Mit diesen Worten schildert der international renommierte Fotojournalist Gürcan Öztürk eine der Rettungs- und Bergungsaktionen im Erdbebengebiet der Türkei, das sich am 6. Februar 2023 im Südosten des Landes und im Norden Syriens ereignete. Öztürk gehörte zu den ersten Fotografen, die unmittelbar nach dem Erdbeben vor Ort waren, gemeinsam mit internationalen Rettungsteams Hilfe leisteten, Leben von Mensch und Tier retteten und das Ausmaß der Katastrophe dokumentierten. Seitdem reist Gürcan Öztürk im Rahmen seines Dokumentarfilm-Projekts „Wir werden zurückkehren“ seit nunmehr zwei Jahren regelmäßig in die betroffenen Regionen. Die Spuren des Erdbebens sind in den elf betroffenen Städten weiterhin sichtbar – und werden ihn auch in den kommenden Jahren begleiten.

Das Foto „Pamuk“ ist Teil der eindrucksvollen und zutiefst berührenden Ausstellung „Auf den Spuren des Erdbebens“, die noch bis zum 25. April 2026 im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt zu sehen ist. Gemeinsam mit der Neuköllner Stadträtin für Bildung, Kultur und Sport, Janine Wolter, sowie dem Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, Marcel Hopp, besuchten die Fraktionsvorsitzende der SPD Neukölln, Cordula Klein, und die Bezirksverordneten Marko Preuß und Cindy Adjei die Ausstellung und nahmen an einer Führung teil. Ihnen angeschlossen hat sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner. Begleitet wurde die Führung von Filiz Bragulla von der Black Label Produktion, die gemeinsam mit ihrem Mann Alpay Yeşildağlar das Projekt organisiert. Beide engagieren sich für die Unterstützung der Betroffenen. So wurde unter anderem eine Benefizveranstaltung initiiert, deren Erlöse dem Verein Pi KIZ Kardeşim zugutekamen. Dieser finanziert Therapien für krebskranke Frauen, die vom Erdbeben betroffen sind.

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Öztürks Foto „Pamuk“ verbreitete sich weltweit und wurde zum Symbol der Hoffnung für Menschen, die Anteil am Schicksal der Betroffenen nahmen. Zwei schwere Hauptbeben der Stärken 7,8 und 7,5 sowie zahlreiche Nachbeben verwüsteten weite Teile der Region. Rund 300.000 Gebäude stürzten in elf Provinzen ein. Besonders betroffen war die historische Stadt Antakya in der Provinz Hatay, die nahezu vollständig zerstört wurde.

Die Katastrophe löste auch eine gesellschaftliche Debatte über Baumängel aus. Viele Gebäude hielten den Erschütterungen nicht stand, weil Sicherheitsvorschriften missachtet oder illegale Aufstockungen vorgenommen worden waren. Besonders stark betroffen waren die Regionen um Gaziantep und Kahramanmaraş. Über 56.000 Menschen verloren in der Türkei und in Syrien ihr Leben, Zehntausende wurden verletzt.

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SPD-Fraktionsvorsitzende Cordula Klein

Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren dokumentierte Öztürk das Leben in den betroffenen Regionen. Seine Fotografien entstanden unter anderem in Hatay, Adıyaman, Kahramanmaraş, Malatya und Gaziantep. Sie zeigen zerstörte Städte, provisorische Lebensbedingungen sowie den Alltag der Menschen nach der Katastrophe.

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Cindy Adjei mit Marcel Hopp MdA

„Diese Ausstellung führt uns eindringlich vor Augen, welches Ausmaß diese Katastrophe hatte – und bis heute hat. Die Bilder zeigen nicht nur Zerstörung, sondern vor allem die Stärke, Würde und den Zusammenhalt der Menschen vor Ort. Sie führt uns eindringlich vor Augen, welches Ausmaß diese Katastrophe hatte – und bis heute hat. Gerade das Foto ‚Pamuk‘ steht sinnbildlich für Hoffnung in einer Situation, die von Verlust und Leid geprägt ist. Für uns als SPD Fraktion Neukölln ist klar: Wir dürfen die betroffenen Regionen und die Menschen dort nicht vergessen. Solidarität bedeutet, hinzusehen, zu erinnern und Unterstützung weiterhin möglich zu machen.“

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Nach dem Start in Neukölln soll die Ausstellung auch in weiteren Berliner Bezirken gezeigt werden, sodass Berlinerinnen und Berliner im Laufe des Jahres 2026 die Möglichkeit haben, sie zu besuchen.

Fotoausstellung: „Auf den Spuren des Erdbebens: Wir werden zurückkehren“
Fotojournalist
: Gürcan Öztürk

Ort: Gemeinschaftshaus Gropiusstadt
Adresse: Bat-Yam-Platz 1, 12353 Berlin (U-Bahnhof Lipschitzallee)
Zeitraum: bis zum 25. April 2026
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 10:00 bis 20:00 Uhr (Foyer)
Eintritt: kostenfrei

Apropos: Wer ebenfalls für die Unterstützung krebskranker Frauen, die vom Erdbeben betroffen sind, spenden möchte, kann dies online tun unter:

https://tickets.wellfairs.de/de/shop/spendenaufruf-pi-kiz-kardeim-verein

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