
Im feierlichen Rahmen wurde am 13. Dezember 2025 auf Schloss Britz die Neuköllner Ehrennadel an fünf Bürgerinnen und Bürger verliehen, die sich in besonderer Weise um den Bezirk verdient gemacht haben. Der Verleihung der Ehrennadel durch unseren Bezirksbürgermeister Martin Hikel und den Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung, Karsten Schulze, wohnten unsere Fraktionsvorsitzende Cordula Klein sowie ihr Stellvertreter Peter Scharmberg bei. Auch unsere Stadträtin für Bildung, Kultur und Sport sowie Spitzenkandidatin für das Amt der Neuköllner Bezirksbürgermeisterin, Janine Wolter und unser stellvertretender Bezirksverordnetenvorsteher Lars Oeverdieck waren anwesend. Aus dem Deutschen Bundestag kam unser Abgeordneter Hakan Demir.
„Für ist mich ist es eine große Ehre, bei der Verleihung dabei sein zu können. Ich freue mich sehr für die Geehrten und sage vielen Dank für die unermüdliche ehrenamtliche Arbeit. Schließlich ist das Ehrenamt Teil des Fundaments für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dafür richte ich meinen Dank an alle, die sich ehrenamtlich einbringen“, bemerkte unsere Fraktionsvorsitzende Klein vor Beginn der Veranstaltung.
Die Neuköllner Ehrennadel ist die höchste Auszeichnung im Bezirk und wurde verliehen an Renate Fröhlich, Siegfried Helias, Rabbiner Jeremy Borovitz, Prof. Dr. phil. Hudhaifa Al Mashhadani und Ruth Weber. Um an die Ehrung zu erinnern, wird eine Ehrentafel in der Galerie im Rathaus Neukölln angebracht. Die Laudationes bei der Ehrennadelverleihung hielt unser Bezirksbürgermeister Hikel.

Renate Fröhlich betreute jahrzehntelang als Wachleiterin ehrenamtlich die Wasserrettungsstation Heckeshorn der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) und war in der Kinder- und Jugendarbeit der DLRG aktiv. „Das beginnt im Jahr 1970, für unsere Preisträgerin ist Heckeshorn das zweite Wohnzimmer“, sagte Hikel in seiner Laudatio. Als Wachleiterin hatte sie die Aufgabe der Verantwortung für den Boots-, Sanitär und Wachdienst. Die Neuköllner Rettungsschwimmerin wurde 2010 vom Land Berlin mit dem Feuerwehr- und Katastrophenschutzehrenzeichen in Gold geehrt. Doch die „wichtigste Auszeichnung für eine waschechte Neuköllnerin fehlte noch – die Neuköllner Ehrennadel, das wollen wir heute nachholen,“ so Hikel. „Unsere Preisträgerin ist von Beruf Erzieherin. Die Leidenschaft, mit Kindern zu arbeiten, ist untrennbar mit dem Engagement verbunden. Über viele Jahrzehnte war sie nicht nur in der Kinder- und Jugendarbeit tätig, sondern schaffte es mit ihrer sachlichen Art, die Kleinen und Heranwachsenden für die vielen Aufgaben der DLRG zu begeistern. Nicht dokumentiert ist, wie viele Kinder und Jugendliche sie in dieser Zeit ausgebildet hat, aber entsprechend der Zeit – glauben sie mir, es waren sehr, sehr viele. Ihr Motto: Alle Kinder sollten sicher schwimmen können, denn das rettet in erster Linie Leben.“ Ihre Begeisterung für das Schwimmen hat sie auf die Kinder übertragen, hob unser Bezirksbürgermeister hervor. Seit 2017 ist sie Lesepatin in der Kita Wutzkyallee, seit 2018 zudem beim Verein Erlebnislernen engagiert, mit dem es der ehemaligen Erzieherin und Kitaleiterin gelang, mehrere Kitas mit Smartboards auszustatten, einen Naschgarten anzulegen und die Woche des Lesens zu unterstützen. Darüber hinaus ist Renate Fröhlich stellvertretende Geschäftsführerin des DLRG für den Bezirk Neukölln und kümmert sich um die Mitgliederaufnahme. In der Lipschitzallee unternimmt sie bis heute noch die Eingangskontrolle für die Ausbildung der Nichtschwimmer.

Die „unzähligen guten Taten des zu Ehrenden herauszustellen, wäre abendfüllend“. Mit diesen Worten unseres Bezirksbürgermeisters begann die Laudatio für den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Siegfried Helias. Er blickt auf ein jahrzehntelanges vielfältiges Engagement zurück, für das er vom Bundespräsidenten in diesem Jahr mit dem Verdienstkreuz am Bande geehrt worden ist. Der Neuköllner setzt sich besonders für das Wohl benachteiligter Kinder ein – besonders für diejenigen, die krank sind oder geistig/körperlich eingeschränkt leben. Aus diesem Engagement heraus gründete er den Verein „Kinder in Gefahr e.V.“, der eine Blindenschule in Steglitz unterstützt. Er initiierte auch die jährlich stattfindende Charity Gala für krebskranke Kinder im Estrel. Als Vorstandsvorsitzender der City Stiftung Berlin rief er das „Festival of Lights“ ins Leben. „Siegfried Helias Idee war, Licht in die Stadt zu bringen und sie von anderen Metropolen zu unterscheiden. Dass er nicht allein durch das Festival, sondern durch seine guten Taten, seine Menschlichkeit und Herzenswärme die Stadt zum Erleuchten bringt, dürfen wir getrost festhalten“, betonte Hikel. Siegfried Helias gründete auch das „Netzwerk der Blauen Herzen“, welches das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen, Nationen und Generationen fördern soll. Er war 12 Jahre lang Charity-Partner beim Britzer Mühlenfest und setzt sich für den Mondeo-Mitmachzirkus und für den Verein MORUS 14 für Kinder im Rollbergviertel ein.
Für außergewöhnliche Verdienste um die Neuköllner Jenaplan-Schule erhielt Ruth Weber die Neuköllner Ehrennadel. Mit Leidenschaft und Herz prägte sie dort über 60 Jahre lang als Lehrerin und 26 Jahre als Schulleiterin die Schule. Außerdem war sie 18 Jahre als ehrenamtliches Mitglied und Kassenwartin des von ihr gegründeten Fördervereins tätig. Schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde an der Universität Jena ein Konzept entwickelt, das Unterricht in altersübergreifenden Gruppen vorsieht, mit individuellen Lehrplänen, die eigenverantwortliches und selbsttätiges Lernen fördern. Das klingt heute noch sehr modern. Statt starrer Strukturen stehen Arbeit, Gespräche, Spielen und eine Feier pro Woche im Konzept. „Unsere Preisträgerin hat die Schule grundlegend geprägt. Als Kind wurde sie an ihrer Schule noch geohrfeigt. Heute ist die Jenaplan-Schule eine reformpädagogisch geprägte Unesco-Projektschule. Unsere Preisträgerin war 1984 die treibende Kraft bei der Einführung des pädagogischen Konzepts nach Peter Petersen. Gemeinsam mit engagierten Kolleginnen und Kollegen setzte sie altersgemischte Lerngruppen durch und legte den Fokus auf Umweltbildung und soziale Verantwortung“, so Hikel. Ruth Webers zentrale Anliegen waren stets Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit: Auch Kinder aus nicht akademischen Familien sollten Zugang zu hochwertiger Bildung und kultureller Förderung erhalten. Sie eröffnete mit ihrem Engagement und Einsatz vielen Generationen von Neuköllner Kindern neue Perspektiven.

„Unser Preisträger Prof. Dr. phil. Hudhaifa Al Mashhadani hat es sich zur Aufgabe gemacht, Brücken zwischen Kulturen zu bauen. Es ist seine Überzeugung, dass Extremismus in unserer Gesellschaft keinen Platz haben darf und das Verständnis füreinander die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander ist“. Mit diesen Worten bringt Martin Hikel das Engagement des vierten Ehrennadelträgers auf den Punkt. Der Politikwissenschaftler und Mediziner kam 2020 als politischer Häftling aus dem Irak nach Berlin und setzt sich seitdem mit großem Einsatz und großer Hingabe für die Bildung und das Miteinander in unserer vielfältigen Gesellschaft ein. Seit der Übernahme der Leitung der deutsch-arabischen Schule in Neukölln, hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen in einem respektvollen und inspirierenden Umfeld lernen können. Seine „Sonntagsschule“ vermittelt jungen Menschen vor allem aus arabischstämmigen Familien einen Zugang zur arabischen Sprache, Schrift und Kultur, der frei von ideologisierter Religion und frei von Antisemitismus ist. Zugleich werden Angebote für eine Wertebildung gemacht, die sich auf die Normen und Werte der freiheitlichen Demokratie gründet. „Die Ehrung mit der höchsten Auszeichnung des Bezirks Neukölln ist eine Anerkennung seiner persönlichen Verdienste und der Bedeutung interkultureller Bildung und des Dialogs in unserer Gesellschaft“, sagte Hikel und überreichte Herrn Mashhadani die Ehrungsurkunde.
„Rabbi Jeremy Borovitz tritt für ein offenes, tolerantes und friedliches Zusammenleben ein, multireligiöse Beziehungen bestehen beispielsweise zur Deutsch-Arabischen Schule“, hob Martin Hikel in seiner Laudatio hervor. Rabbiner Jeremy Borovitz ist Mitgründer von Hillel Deutschland e.V.. Der Verein hat seinen Sitz in Neukölln und ist Teil einer der weltweit größten jüdischen Studierendenorganisationen. „Der Preisträger sagte einmal, wenn ich in Deutschland leben will, brauche ich Freunde. Diese Freunde findet er in unserem Bezirk unter jenen, die für ein offenes, tolerantes Zusammenleben einstehen. Jüdisches Leben wird durch ihn sichtbar, er verbindet Menschen jenseits ihrer religiösen und nationalen Zugehörigkeiten“, sagte Hikel. 2023 entzündete er zum ersten Mal im Beisein unseres Bezirksbürgermeisters an Chanukkah die Lichter einer Chanukkiah auf dem Balkon des Neuköllner Rathauses. „Der Dunkelheit des umgreifenden Antisemitismus setzt er Licht entgegen, als ein Zeichen der Hoffnung, dass das Licht der Vernunft und Menschenliebe die Verfinsterung des menschlichen Geistes überwinden wird.“
