Fahne gehisst zum Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Fahne gehisst zum Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen und Mädchen 1
Gemeinsam Gewalt gegen Frauen ächten und Betroffenen helfen: Bezirksbürgermeister Martin Hikel (2.v.re.) und Derya Caglar MdA unterstützen die Initiative

Es geschieht tagtäglich, mitunter auf offenen Straße und vor unseren Augen – Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Wie bitter. So ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Und etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Und das zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. In Berlin sind im vergangenen Jahr 16546 Frauen Opfer von Gewalt in Partnerschaften geworden (Bundesweit rund 115.000). In Deutschland starben 2019 laut Bundeskriminalamt 301 Frauen durch Gewalt (Mord und Totschlag, ohne Totschlag auf Verlangen). Die Dunkelziffer liegt laut Kriminalexperten weit höher. „Diese Zahlen müssen
uns erschrecken, betonte Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD). Er lud zum „Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ am 25. November zur Fahnenhissung am Rathausvorplatz ein, um ein Zeichen gegen die Gewalt zu setzen. Hikel nennt es eine „ungeheure Ungerechtigkeit, dass im Falle der Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die Frauen zu den Opferberatungsstellen geschickt werden, um nicht wieder Opfer zu werden, und nicht auch die Männer, was zu einer Täter-Opfer-Umkehr führe. „Wir müssen die Männer, die Täter mehr in die Verantwortung nehmen“, so Hikel.


Schließlich sind bei Partnerschaftsgewalt Frauen zu über 81 Prozent die Opfer. Die Hälfte von ihnen hat in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Tatverdächtigen gelebt. Bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind die Opfer zu 98,1 Prozent weiblich, bei Stalking, Bedrohung und Nötigung in der Partnerschaft
sind es 89 Prozent. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung waren 79,5 Prozent der Opfer Frauen und bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen waren es 76,4 Prozent. Die Gewalt tritt dabei häufig im Zusammenhang von Trennungs- und Scheidungssituationen auf oder verstärkt sich dann. Frauen und ihre Kinder sind in dieser Phase einem
besonders hohen Risiko von eskalierender Gewalt ausgesetzt. Ein weiterer Risikofaktor sind Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend. Das alles zeige, wie wichtig Schutzräume für Frauen und Kinder sind, sagt Derya Çağlar SPD MdA. Cağlar ist politische Sprecherin für Gleichstellung und Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, Pflege, Gleichstellung. Sie freut sich, dass auf Initiative der SPD ein 7. Frauenhaus bis Anfang des kommenden Jahres geöffnet wird. Es bietet weitere 55 Schutzplätze für Frauen.
Parallel dazu werde intensiv an einem 8. und 9. Frauenhaus für Berlin gearbeitet, berichtet die SPD-Frau. Bereits zu Beginn der Pandemie wurden zusätzlich Notunterbringungsplätze eingerichtet für Frauen, die zu Hause nicht mehr sicher waren, aktuell stehen 205 zur Verfügung.