Vorstellung des Verkehrskonzepts Richardkiez

Bald nicht mehr möglich: Begegnungsverkehr von Autos am Böhmischen Platz. Durch Poller auf der Fahrbahn werden die nördliche und südliche Durchfahrt für Autos gesperrt und bleiben für Radfahrende passierbar. Das nennt man Modal Split in der Spreche der Verkehrsplaner.

Modal-Filter – dieser sperrige Fachbegriff beschreibt eine verkehrslenkende Maßnahme am Böhmischen Platz, die bald umgesetzt werden soll. „Die Poller sind schon ausgesucht“, so Bürgermeister Martin Hikel (SPD). Aufgestellt werden sollen sie auf den nördlichen und südlichen Fahrbahnen am Böhmischen Platz. Dadurch wird die Durchfahrt für Autos versperrt und bleibt nur noch für Radfahrer möglich. Diese Sperrung des Durchgangsverkehrs auf der Route Niemetzstraße – Böhmische Straße – Donaustraße war eine von vier kurzfristig zur Realisierung vorgesehenen Einschränkungen, die auf dem Prinzip offene (Verkehrs)netze basieren. Vorgestellt wurde das Verkehrskonzept am 2. Juli im neu renovierten Begegnungszentrum der Brüder-Gemeine in Anwesenheit von Bürgermeister Martin Hikel und dem für Stadtentwicklung zuständigen Stadtrat Jochen Biedermann (Grüne). Für die SPD-Fraktion waren Michael Morsbach, Marko Preuß und Marina Reichenbach vor Ort.

Nach dem Verkehrsgutachten soll dies durch eine „Tomate“, so der Verkehrsplaner Michael Höppner, verhindert werden. Gemeint ist damit das Verkehrszeichen 267 „Einfahrt verboten“. Damit ist nur noch der Autoverkehr Richtung Karl-Marx-Straße möglich.

In den Blick geraten ist auch wieder die umgangssprachlich „Schnalle“ genannte Verbindung zwischen Karl-Marx-Platz und Richardplatz, um die es seit Jahrzehnten Diskussionen gibt. Das Verkehrskonzept sieht eine Einbahnstraße vor, die nur das Verlassen des Richardplatzes erlaubt. Der Autoverkehr, der von der Karl-Marx-Straße in den Platz einbiegt, wird am Platzende wieder zur Karl-Marx-Straße zurückgeleitet.

Beschränkungen des Durchgangsverkehrs war eines von mehreren Maßnahmenbündeln, das vorgestellt wurde. Ein zweites soll eine Reduzierung der Durchschnittsgeschwindigkeit bewirken, die nach den Messungen und Berechnungen im gesamten Gebiet bei etwa 35 km/h liegt.

Dazu setzt das Verkehrskonzept vor allem auf den Einbau weiterer „Rixdorfer Kissen“ in die Straßen. Insgesamt zehn sollen im Zeitraum 2018/2019 realisiert werden: vier an der Kreuzung Hertzbergstraße / Böhmische Straße, zwei im weiteren Verlauf der Böhmischen Straße vor der Turnhalle der Adolf-Reichwein-Schule, zwei vor beziehungsweise nach der Querungshilfe an der Richard-Grundschule in der Richardstraße und zwei beidseits der Querungshilfe am Richardplatz am Spielplatz neben der Schmiede. „Durch diese Kissen zwingen wir die Autofahrer*innen die Geschwindigkeit zu reduzieren und damit zumindest an verkehrstechnisch empfindlichen Stellen langsam zu fahren. Wichtig ist, dass Radfahrende genügend Platz haben, daran seitlich vorbei zu kommen“, meint dazu Marko Preuß (SPD), Vorsitzender des für Verkehr zuständigen Ausschusses der Bezirksverordnetenversammlung.

Pfarrer Christoph Hartmann von der Brüdergemeine begrüßt die Gäste im mit Mitteln der Städtebauförderung neu renovierten Begegnungszentrum.

Zu Beginn der Sitzung überreichte die Bürgerinitiative „Mehr Kiez für Rixdorf“ eine Forderungsliste mit mehr als 1000 Unterschriften. Bürgermeister Marin Hikel nahm sie entgegen und sagte eine sorgfältige Prüfung auf Umsetzbarkeit zu, wie auch zu den in der Diskussion gemachten Vorschlägen. Nach einem Werkstattverfahren im Februar war die Bürgerversammlung die zweite Möglichkeit der Anwohner, die Planung zu bewerten und zu verändern.

Die Präsentation des Abends und das Protokoll der Sitzung werden nach der Urlaubspause auf der Webseite des Bezirksamtes Neukölln veröffentlicht.