Stolperstein für die Widersandkämpferin Charlotte Adel

„Suchen wir nicht danach, was uns trennt – das führt nur dazu, was gerade in Chemnitz passiert. Neukölln muss sich mit seiner kulturellen Vielfalt als Ort der Inklusion verstehen. Das ist die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft und ihrer Werte, die wir verteidigen müssen“, betonte Bezirksbürgermeister Martin Hikel bei der Verlegung eines Stolpersteins für Charlotte Adel am 4. September 2018.

Verlegt wurde der Stolperstein vom Künstler Gunther Demnig auf Initiative der Frauengeschichtsforscherin Claudia von Gélieu. Die Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“ hatte den Vorschlag von Gélieu aufgegriffen, praktisch umgesetzt und zu einer kleinen Gedenkfeier im Backbergweg 23 eingeladen. Hier, vor dem letzten Wohnort Charlotte Adels (damals Karlstraße) versammelten sich  mehr als 80 Menschen, um ihr zu gedenken, darunter die Neuköllner SPD Fraktionärin Marina Reichenbach und Derya Çağlar als SPD Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

Hikel mit Rose

Charlotte Adel war Mitglied des Freidenkerverbandes und der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD), einer linken Abspaltung der SPD, die als Partei der Einheitsfront eine wichtige Rolle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus spielte. Adel wurde am 1. Dezember 1934 im Verfahren gegen Max Köhler und Genossen unter dem Vorwurf der Vorbereitung zum Hochverrat zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt und kommt ins Frauengefängnis in die Barnimstraße. Das Kesseltreiben der Nazis gegen Charlotte Adel hört auch nach der Haft nicht auf. Im Oktober 1937 wird ihr gar „wegen ehrenrührigen Zuwiderhandelns gegen die Bestrebungen der Deutschen Arbeitsfront durch staatsfeindliche Betätigung“ die Befähigung abgesprochen, ein Amt in der Deutschen Arbeitsfront bekleiden zu können. Die Deutsche Arbeitsfront, ab Oktober 1934 Teil der NSDAP, hat ihr damit für die Dauer von zehn Jahren jede berufliche Tätigkeit genommen. Damit ist für sie politisch und privat alles zerstört. Charlotte Adel ist in der Folge oft arbeitslos und weiß nicht, wie sie das Nötigste zum Leben aufbringen soll, ihre Schulden nehmen zu. In ihrem Abschiedsbrief vom 14. Mai 1938 schreibt sie: „Sehr leicht fällt es mir nicht, Dich im Stich zu lassen. Aber es geht wirklich nicht mehr so weiter … Nun lebt wohl. Lotte”. Am selben Tag nimmt sich Charlotte Adel das Leben.

Derya Caglar bei der Ehrung der Widerstandskämpferin

„Das Stolpersteingedenken ist heute wichtiger denn je, denn gefühlt ist es schon wieder so weit, dass der Faschismus vor der Tür steht“, sagt Marina Reichenbach angesichts des Erstarkens des Rechtspopulismus. Sie begrüßt es, dass auch denen ein Gedenken zuteil wird, die infolge des Naziterrors die Grundlage für ein menschenwürdiges Leben entzogen wurde. Dazu gehören Frauen wie Helen Nathan und Charlotte Adel und viele andere, die sich aufgrund ihrer aussichtslosen Lage das Leben nahmen.