Wer bekommt einen Platz im Stadtbild? – Neukölln blickt auf seine Straßennamen

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Sahen die sogsam kuratierte Ausstellung zum Frauenviertel von Bärbel Ruben (re.): Jörg Stempel, SPD-Fraktionsvorsitzende Cordula Klein, Kulturstadträtin Janine Wolter, Jutta Weißbecker und Karin Korte, Kulturstadträtin a.D. (v.li.)

Unsere Fraktionsvorsitzende Cordula Klein besichtigte am 3. Juli gemeinsam mit unseren Bezirksverordneten Michael Morsbach und Jörg Stempel die Vernissage zur Ausstellung Um|Benennen im Museum Neukölln, die von unserer Stadträtin für Bildung, Kultur und Sport, Janine Wolter (SPD), eröffnet wurde.

In ihrer Rede zur Eröffnung der Ausstellung würdigte unsere Stadträtin Wolter die Arbeit von Stadtmuseen als „Orte für Austausch, Dialog und Reflexion“ zu den verschiedensten Themen im Stadtraum, über die diskutiert werden kann. Wolter dankte insbesondere der Kuratorin der Ausstellung Um|Benennen Bärbel Ruben, die im Museum Neukölln als stellvertretende Fachbereichsleiterin für Museum, Stadtgeschichte und Erinnerungskultur arbeitet. Ein Blick in die Ausstellung zeige, mit welcher „Hingabe und Detailtreue“ hier gearbeitet wurde. Da Rubens Ruhestand bevorstand, dankte Wolter Frau Ruben für ihre Vorarbeit zur Ausstellung, ihre vertiefte Recherche, die Archivarbeit und die Analyse hinaus für ihre „wunderbare Arbeit und die gemeinsame Zeit“. Wolters Dank galt auch dem ganzen Team um Museumsleiter Henkel, dem Kooperationspartner der Ausstellung, dem „Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e. V.“, sowie dem Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen.

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Die Straßenbenennung im Frauenviertel erfolgte ohne Feierlichkeiten, Foto: © Museum Neukölln/ Ellen Röhner.

Die Ausstellung Um|Benennen beleuchtet die gesellschaftlichen Prozesse der Benennungen und Umbenennungen von Straßen und Plätzen in Neukölln mit historischen Dokumenten, Fotografien, Karten und biografischen Zugängen. Sie eröffnet neue Perspektiven auf die Geschichte Neuköllns und aktuelle Debatten um Erinnerungskultur, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Teilhabe im öffentlichen Raum.

Straßenbenennungen wurden auch in Neukölln seit jeher kontrovers diskutiert. Sie spiegeln entsprechend der jeweiligen politischen Machtverhältnisse gesellschaftliche und politische Entwicklungen wider. Im Mittelpunkt der Ausstellung Um|Benennen stehen die großen Neuköllner Neubausiedlungen der 1920er-Jahre sowie die Zeit von den 1960er- bis zu den 1990er-Jahren. Zu den in Augenschein genommenen Siedlungen zählen auch die Hufeisensiedlung, die Gropiusstadt und das Frauenviertel in Rudow. Am Beispiel des Frauenviertels, das vor genau 30 Jahren entstand, wird der demokratische Prozess, der schließlich zur Benennung der Straßen und Plätze ausschließlich nach prominenten Frauen führte, besonders deutlich. Die Idee, das neugebaute Viertel ausschließlich nach Frauen zu benennen, hatte unsere damalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in Neukölln, Jutta Weißbecker. Sie wollte die Sichtbarkeit von Frauen im Stadtbild erhöhen. Ihr zur Seite stand die Neuköllner Frauenbeauftragte Renate Bremmert. Auch die Politologin und Publizistin Claudia von Gélieu unterstützte Weißbecker mit Fachwissen. Da das Vorhaben auf Widerstand stieß, startete Weißbecker gemeinsam mit der Frauenbeauftragten eine Pressekampagne. Ihr Motto: „Keine Platzhirsche im Frauenviertel“. Auf die Idee mit dem Platzhirsch-Motto kam Weißbecker, weil der damalige CDU-Bezirksbürgermeister wenigstens die Plätze nach Männern benennen wollte. Doch die Vorstellung, dass sich die nach Frauen benannten Straßen um die Männer gruppieren, führte zu verstärktem Widerstand.

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Jutta Weißbecker (mi.) und Karin Korte an den Stelltafeln im Außenbereich.

In der Folge recherchierten zahlreiche Frauen zu bedeutenden weiblichen Persönlichkeiten und reichten Namensvorschläge ein. Unterstützung kam von den Grünen, während die CDU weiterhin eine Mischung aus Frauen- und Männernamen bevorzugte. Doch die Frauen setzten sich durch. Am 22. Mai 1996 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung die Benennung des ersten Frauenviertels Deutschlands. Begleitet wurde die Entscheidung von einer Demonstration im Rathaus. „Frauen aufs Schild“ lautete die Botschaft. In den Augen der CDU erinnerte der Begriff „Frauenviertel“ angeblich an ein Rotlichtmilieu. Auf ihr Drängen hin wurde das Gebiet offiziell als „Gartenstadt Rudow“ bezeichnet.

Am 31. Oktober 1996 wurden im Rudower „Frauenviertel“ im Stillen und ohne große Feierlichkeit 17 Straßen und drei Plätze nach bedeutenden deutschen Frauen benannt – ein Novum in der Bundesrepublik. Bis zum Zeitpunkt der Benennung waren in Neukölln nur neun der 682 Straßen nach Frauen benannt, jedoch 153 nach Männern. Es sollte allerdings noch zehn Jahre dauern, bis das Neubaugebiet per Veröffentlichung im Amtsblatt rechtswirksam als „Frauenviertel Rudow“ benannt wurde.

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Auch Michael Morsbach sah sich die Ausstellung mit großem Interesse an

„Straßennamen sind mehr als Orientierungshilfen. Sie erzählen, wem eine Gesellschaft Bedeutung und Sichtbarkeit gibt und welche Geschichte sie im öffentlichen Raum bewahren möchte. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns mit ihrer Entstehung und ihrer Bedeutung auseinandersetzen. Das Frauenviertel in Rudow zeigt eindrucksvoll, dass sich gesellschaftliche Veränderungen auch im Stadtbild widerspiegeln können. Was vor 30 Jahren als ungewöhnliche Idee begann, ist heute ein selbstverständlicher Teil unseres Bezirks. Die wundervolle Ausstellung Um|Benennen macht diese Entwicklungen sichtbar und lädt dazu ein, über Erinnerungskultur, Gleichberechtigung und die Gestaltung unseres öffentlichen Raums zu diskutieren“, sagt unsere Fraktionsvorsitzende Cordula Klein.  

Noch bis 11. April 2027, Museum Neukölln, Alt-Britz 81, 12359 Berlin, Tel. 030 90239 1665, info@museum-neukoelln.de, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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Die Idee, ein Wohnviertel ausschließlich nach Frauen zu benennen, hatte unsere Genossin Jutta Weißbecker