
Mit seiner inzwischen 113. Ausstellung hat der Rudower Heimatverein erneut ein spannendes Stück Regionalgeschichte zugänglich gemacht: Unter dem Titel „Rudow, Neukölln und Berlin im Plan“ wird noch bis zum 10. Mai 2026 jeweils am Wochenende eine eindrucksvolle Schau in der Alten Dorfschule Rudow (Alt-Rudow 60) präsentiert. Unser stellvertretender Fraktionsvorsitzender Peter Scharmberg hat die Ausstellung bereits vor der offiziellen Eröffnung am 18. April besucht, war allerdings so begeistert, dass er der offiziellen Eröffnung durch unseren Bezirksbürgermeister Martin Hikel zusammen mit unserem Bezirksverordneten Michael Morsbach beiwohnte.
Im Zentrum der Ausstellung stehen historische Karten und Pläne von Rudow, Neukölln und Berlin, ergänzt durch eindrucksvolle Luftaufnahmen aus der Zeit von 1943 bis in die Jahre nach dem Mauerbau. Begleitende Broschüren und Bücher veranschaulichen die Entwicklung der Region und liefern zusätzliche historische Einordnungen. Einen besonderen Einstieg bietet ein Modell aus der Mittelsteinzeit, dem Mesolithikum. Es zeigt das Leben der Menschen vor rund 11.500 Jahren – einer Zeit des klimatischen Umbruchs nach der letzten Eiszeit. Die Darstellung macht deutlich, wie Menschen in mobilen Rundhütten lebten und sich als Nomaden von Jagd, Fischfang und dem Sammeln von Pflanzen ernährten. Besonders Haselnüsse spielten dabei eine zentrale Rolle. In der Gegend des heutigen Rudow siedelten sie bevorzugt entlang von Gewässern wie dem Rudower Fließ. Frühe Formen der Landschaftsdarstellung, so erklärt es Ziemer, waren Zeichnungen in den Sand oder im Stein. Ein Beispiel dafür ist das rund 13.000 Jahre alte Relief aus der Höhle Ségognole 3, das als eines der ältesten topografischen Modelle gilt.
Ein herausragendes Exponat ist der Rudower Feldmarkplan von 1777. Er zeigt bereits zentrale Straßenverläufe und markiert die Lage des damaligen Dorfkerns. Wie Manfred Ziemer, zweiter Vorsitzender des Vereins, erläutert, lassen sich darin schon bekannte Straßenzüge erkennen. Zu dieser Zeit lebten in Rudow etwa 200 Menschen. Darüber hinaus überrascht die Ausstellung mit besonderen Exponaten wie einem Plan in Blindenschrift sowie einem detailreichen, gemalten Ortsplan im Maßstab 1:1000. Ergänzt wird dies durch einen Blindenstadtführer für Neukölln, Alt-Britz, Alt-Rudow und die Gropiusstadt, der einst im Auftrag des Bezirks entstand.
Die Ausstellung zeichnet eindrucksvoll die Entwicklung Rudows nach: Erstmals 1373 erwähnt, hat sich das einstige Dorf zu einem Ortsteil mit heute über 42.000 Einwohnern entwickelt. Ähnliche Entwicklungen zeigt auch Neukölln, dessen Ursprünge im mittelalterlichen Richardsdorp liegen, das später als Rixdorf bekannt wurde und seit 1912 den heutigen Namen trägt. Besonders um die Jahrhundertwende wuchs der Ort rasant und entwickelte sich vom größten Dorf Preußens zu einem dicht besiedelten Stadtteil. Parallel dazu expandierte auch Berlin selbst stark. Im Zuge der Industrialisierung vervielfachte sich die Bevölkerung, und mit der Eingemeindung im Jahr 1920 wurde Berlin zu einer der größten Metropolen weltweit.

Der Blick in die Vergangenheit macht zugleich aktuelle Herausforderungen sichtbar: Wohnraummangel, steigende Mieten und zunehmender Verkehr stellen die Stadt vor große Aufgaben. Umso wichtiger ist eine vorausschauende Stadtplanung, die Wachstum und Lebensqualität in Einklang bringt. Die Ausstellung zeigt dabei nicht nur die bauliche Entwicklung, sondern auch die landschaftlichen Qualitäten der Region. Trotz ihres Wachstums ist Berlin eine vergleichsweise grüne Metropole geblieben – mit einem Waldanteil von rund 18 Prozent und einem Grünflächenanteil von über einem Drittel der Stadtfläche.
So lädt die Ausstellung dazu ein, Geschichte nicht nur zu betrachten, sondern daraus auch Fragen für die Zukunft abzuleiten. Gerade in Zeiten des Wachstums braucht es eine Stadtentwicklung mit Augenmaß, um Lebensqualität und gewachsene Strukturen zu bewahren. „Ein Beispiel ist das im Februar 2026 beschlossene Kleingartenflächensicherungsgesetz, für das sich die SPD auf Bezirks- und Landesebene stark gemacht hat: Es schützt mit 22,4 Quadratkilometern eine Fläche, die größer ist als Friedrichshain-Kreuzberg. Auch bei der Wohnraumschaffung setzt die SPD Neukölln auf kluge Nachverdichtung, um Grünflächen zu erhalten. Natur, Stadtentwicklung und gesellschaftliches Handeln gehören schließlich zusammen – daraus erwächst Verantwortung, damit Berlin auch in Zukunft lebenswert bleibt“, hebt Scharmberg hervor.
113. Ausstellung des Rudower Heimatverein
„Rudow, Neukölln und Berlin im Plan“
Ort: Alte Dorfschule Rudow, Alt-Rudow 60, 12355 Berlin
Zeitraum: bis 10. Mai 2026, samstags und sonntags von 10:00 bis 16:00 Uhr
Gruppenführungen nach Vereinbarung unter Tel. 030 / 664 39 26
