
Seit 20 Jahren gehört der gemeinnützige Mitmach-Erlebniscircus Mondeo zu den Leuchttürmen in unserem Neukölln. Gerade in einer Zeit, in der der Alltag von Kindern und Jugendlichen zunehmend von digitalen und virtuellen Angeboten geprägt ist, schafft der Circus einen Raum für Begegnung, Bewegung, Fantasie und gemeinsames Erleben. Sein 20-jähriges Bestehen wurde am 17. September mit einer Jubiläumsvorstellung und zahlreichen Gästen aus Politik und Gesellschaft gefeiert. Der Einladung des Circus gefolgt waren die Neuköllner SPD- Fraktionsvorsitzende Cordula Klein, der Bezirksverordnete Lars Oeverdieck (SPD), unser Bezirksbürgermeister Martin Hikel, unsere Stadträtin für Bildung, Kultur und Sport Janine Wolter, die Berliner Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe Franziska Giffey, die SPD- Kreisvorsitzenden Derya Caglar und Joachim Rahmann sowie der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Hakan Demir.

Was den Mitmach-Erlebniscircus Mondeo besonders macht, ist die Vielfalt seiner Angebote. Im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte hat sich der Circus zu einem Träger der Jugendhilfe entwickelt. Rund 100.000 Kinder haben seit der Gründung an den unterschiedlichen Projekten teilgenommen. Dazu gehören unter anderem Projektwochen für Schulkinder, das Nachmittagstraining, Ferienprojekte, die Circus-Schule, die Circus-Therapie sowie das Aufenthaltsprogramm. Dieses Förder- und Behandlungsangebot ermöglicht Kindern Übernachtungen vor Ort im Rahmen einer Kurz- oder Langzeitbehandlung. Auf Wunsch können auch Erziehungsberechtigte dabei sein. Dafür stehen Wohncontainer zur Verfügung. Seit Jahren gehört außerdem die schulbezogene Jugendhilfe für einzelne schwer beschulbare Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren zum Angebot. Darüber hinaus engagierte sich der Circus auch bei der gesellschaftlichen Teilhabe geflüchteter Kinder. Dass der Circus weit mehr vermittelt als artistische Fähigkeiten, wurde auch beim Jubiläum deutlich. „Er zeigt Kindern, dass sie auch ohne Gadgets viel Spaß haben können und ihre Fantasie ausleben dürfen“, sagt Bezirksbürgermeister Martin Hikel. Neuköllns ehemalige Bezirksbürgermeisterin und derzeitige Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Franziska Giffey, ergänzt: „Hätten wir unter diesem Himmel mehr Orte, an denen Menschen an ihre eigene Kraft glauben – Orte, an denen Kinder spüren, wie stark sie sind und was für großartige Persönlichkeiten in ihnen stecken, und an denen auch Lehrkräfte sehen, was alles möglich ist –, dann stünde es um vieles in dieser Stadt besser. Genau deshalb müssen solche Orte unterstützt werden.“

Bewegung, Fantasie und Kreativität stehen im Mittelpunkt der Circusarbeit. Gleichzeitig geht es darum, das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken. Bei Akrobatik, Jonglage und Trapez, beim gemeinsamen Entwickeln einer Circusnummer und auch im Umgang mit Tieren lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen. Dadurch werden Selbstbewusstsein und sozialer Zusammenhalt gestärkt, sagte unser Bezirksbürgermeister und betonte: „Vertrauen und Zusammenhalt sind hier das A und O. Klare Regeln sorgen für Sicherheit, und Lob gibt viel Kraft“.
Die Geschichte des Mitmach-Erlebniscircus reicht allerdings weiter zurück als die 20 Jahre, die jetzt gefeiert wurden. Circusdirektor Gerhard Richter berichtete beim Jubiläum von den Anfängen und davon, wie es zur Zusammenarbeit mit dem früheren Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky kam. „Das Schicksal hat uns zusammengeführt“, sagt er mit Blick auf unseren berühmten Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Er setzte sich dafür ein, dass ein Kooperationsvertrag zwischen dem Circus und dem Bezirksamt geschlossen wird und entwickelte damit eine Zukunftsperspektive für den Circus. Sie ermöglicht es ihm bis heute, täglich mit mehreren Schulklassen zu arbeiten und seine Integrationsprojekte umzusetzen. Auch ein geeigneter Standort wurde schließlich in der Gutschmidtstraße gefunden, in der Nachbarschaft der BVG-U-Bahn-Betriebswerkstatt.

Neben den regelmäßigen Vorführungen der Schulkinder und den Jubiläumsveranstaltungen gab und gibt es besondere Ereignisse in der Geschichte des Mitmach-Erlebniscircus. Einige davon sind auf großen Tafeln mit Fotografien in der Ausstellung im Vorzelt dokumentiert. Zu den herausragenden Momenten zählt der Besuch von Königin Beatrix der Niederlande am 13. April 2011. Während ihres mehrtägigen Staatsbesuchs in Deutschland besuchte sie den Circus gemeinsam mit ihrem Sohn Willem-Alexander, dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff und dessen Ehefrau Bettina Wulff sowie unserem Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit und unserem Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Anlass war die Würdigung sozialer und integrativer Projekte. Die Gäste sahen eine Vorführung von Schülerinnen und Schülern der Hermann-Nohl-Schule. Damit würdigten sie das soziale Engagement für Kinder und Jugendliche, das bis heute zum Markenkern des Mitmach-Erlebniscircus der Familie Richter gehört.
20 Jahre erfolgreiche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind ohne persönliches Engagement, Leidenschaft und Unterstützung nicht möglich. Um die weitere Arbeit des Circus zu unterstützen. spendete Siegfried Helias vom Verein „Kinder in Gefahr“ einen 1.000-Euro-Scheck. Weitere Spenden kamen von der Loge Odd Fellows mit zwei Schecks über 2.000 und 2.100 Euro, von der Rebecca Loge Elisabeth Berlin mit 2.500 Euro sowie von der Columbus Loge mit 500 Euro.

Im Anschluss zeigten junge Neuköllner Schülerinnen und Artisten ein vielseitiges Programm. Mutige Schulmädchen stellten ihr Können am Hochseil unter Beweis und begeisterten zugleich mit einer Darbietung am Boden. Auch die Circusfamilie Richter trat am Hochseil und am Boden auf. Alle Darbietungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Zum Abschluss bedankte sich Circusdirektor Gerhard Richter, fassungslos vor Glück, ganz herzlich bei den Besuchern und den Spendern. Und hatte noch eine gute Nachricht. Aufgrund einer Erweiterung der Betriebsfläche der BVG muss der bisherige Standort aufgegeben werden. Inzwischen konnte jedoch mit Unterstützung des Bezirksamtes Neukölln eine Lösung gefunden werden. Der neue Standort liegt nur ein Stück weiter die Gutschmidtstraße hinunter.
„Der Mitmach-Erlebniscircus Mondeo zeigt seit 20 Jahren, wie wichtig Orte sind, an denen Kinder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln und gemeinsam mit anderen über sich hinauswachsen können. Wir brauchen solche Einrichtungen, die Kindern unabhängig von ihrer Herkunft Möglichkeiten eröffnen und ihnen Selbstvertrauen, Gemeinschaft und Freude vermitteln. Deshalb ist es wichtig, dass der Circus auch in Zukunft gute Bedingungen für seine Arbeit hat und uns in Neukölln erhalten bleibt“, sagt unsere Fraktionsvorsitzende Cordula Klein.

