Neuköllner Kunstpreis 2020

Neuköllns Bundestagsabgeordneter Fritz Felgentreu MdB, die Neuköllner SPD-Fraktionsvorsitzende Cordula Klein und Kulturstadträtin Karin Korte (SPD) würdigten gemeinsam mit den Bezirksverordneten Wolfgang Hecht (SPD, re.), Dr. Christian Hoffmann (Grüne, li.) und Bertil Wewer (Grüne, 2.v.re.) die Preisträger.

Wie schon im vergangen Jahr hatten sich auch diesmal mehr als 170 Künstlerinnen und Künstler  mit einem Wohnsitz oder Atelierstandort in Neukölln für den Neuköllner Kunstpreis beworben. Acht von ihnen wurden von einer siebenbenköpfigen Fachjury nominiert und erhielten somit die Möglichkeit auf eine Auszeichnung. Nach einem mehrstufigen Auswahlprozess standen die Gewinnerinnen und Gewinner fest. Ihre Arbeiten sind noch bis zum 29. März in der Galerie im Saalbau in der Karl-Marx-Straße zu bestaunen. Kulturstadträtin Karin Korte (SPD) war es somit ein großes Vergnügen, den Neuköllner Kunstpreis an die Preisträger im Heimathafen Ende Januar zu übergeben. Dabei würdigte sie die Arbeit der Künstler im Bezirk, der durch sie weit über Neuköllns Grenzen hinaus an Ansehen als „hipper Ort“ gewonnen hat. „Künstler haben Neukölln wieder lebenswert gemacht, danke an Euch“, sagt Korte und ergänzte: „Ihr seid uns  nicht egal, wir tun was für Euch“. Der Kunstpreis ist ein Ausdruck dessen. Künstler erhalten allerdings auch vielfältige Unterstützung durch das Kreativnetz Neukölln, coopolis und den Fachbereich Kultur Neukölln des Bezirksamts, der mit der Kreativwirtschaft kooperiert.
An der Preisverleihung nahm wie bereits im vergangenen Jahr die Fraktionsvorsitzende der Neuköllner SPD Cordula Klein, der SPD- Fraktionär Wolfgang Hecht sowie der SPD- Bundestagsabgeordnete Dr. Fritz Felgentreu teil. Sie freuen sich, dass viele interessante Künstler in Neukölln ihr Zuhause gefunden haben. Schätzungen zufolge sind rund 1.500 kreative Unternehmen in 11 Teilbranchen der Kreativwirtschaft am Standort Neukölln tätig. „Der Neuköllner Kunstpreis setzt von daher auch ein Zeichen dafür, dass die Kreativen in Neukölln ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft im Bezirk geworden sind“, unterstreicht die Fraktionsvorsitzende Klein.  

Für den Preis nominiert waren Mara Diener, Eva Dittrich, Vanessa Enriquez, Catherine Evans, Jinran Ha, Katrin Hoffert, Johannes Lacher und Jana Sophia Nolle. Gewonnen haben die Preise, Catherine Evans, Jinran Ha und Vanessa Enrique. Evans erhielt für ihr Werk „Standing Stone, Quarzgestein, Aluminium, Klebeband (The previous installation of the work was 5,6 x 3m)“ den ersten Preis. Der 2. Preis ging an Jinran Ha für „Zwei Machthabende und 98 Individuelle“. Die dritte Preisträgerin im Bunde ist Vanessa Enriquez, gewürdigt wurde ihre Arbeit „Variatons on Line n.8“,  Magnetband (VHS), Maße variabel.  Die Sonderpreisträgerin ist Katrin Hoffert, sie glänzte mit „Sweatshop“, 2018, Jeansstoffe, vernäht, ca. 160 x 250 cm. Die Wohnugnsbaugenossenshcaft Stadt & Land kauft ein Werk der Künstlerin.
Laut Jury ist Evans mit ihrer Arbeit „Standing Stone“ gelungen, ihren „Körper in ein dreidimensionales Zeichensystem“, zu überführen. Schließlich entspreche die Position der Steine an der Wand der Position der Muttermale auf ihrem eigenen Rücken. Ein poetisches Mapping erreiche die Künstlerin durch grafische Elemente wie Stäbe, Klebeband und Schatten, die als Diagramm an eine Karte mit Sternbildern erinnere. So entstehe ein „fragiles Gleichgewicht aus Steinen und Stangen, Schweben und Schwere, Körper und Linie – Metapher für die Existenz der Künstlerin sowie für das Leben schlechthin“.

Jinran Ha wiederum personalisiere in ihrer kinetischen Skulptur „Zwei Machthabende und 98 Individuelle“ alltägliche Gebrauchsgegenstände und beschreibe soziale Typen sowie zwischenmenschliche Beziehungen, so die Jury. Zwei gleiche Ventilatoren symbolisieren zwei „Machthabende“, die sich gegenüber stehen und 98 identische Kleiderbügel in wellenartige Bewegung, hin und her zwischen den beiden Polen bewegen. In der Bewegung  erzeugen  die Bügel „untereinander ein zartes Klingen, das im Gegensatz zu dem dominanten Grundrauschen der „Machthabenden“ steht“. Die Jury wertet dies als leisen Humor. Der veranschauliche gesellschaftliche Prozesse zwischen Autorität, Gehorsam und Beeinflussung. Es stelle sich die Frage, wie sich der Einzelne in der Masse verhält und ob eine Rebellion möglich ist. Jinran Ha beschreibe so mit einfachen Mitteln eine spielerische Beschreibung sozialer Dynamiken und biete  einen treffenden Kommentar zu Mechanismen der Meinungsbildung.
Vanessa Enriquez  bilde mit ihrem Werk „Variations on Line n.8“ Gedankenmodelle ab,  indem sie akkurat und mit VHS-Tape gesetzte Linien in den Raum bringt. „Die von der Künstlerin verwendeten, nuancenreichen Schwarztöne des VHS-Tapes unterstreichen die nicht entschlüsselbaren Inhalte des Mediums und verweisen auf Bedeutungsdimensionen“, die geheim bleiben, urteilt die Jury zur Preisträgerin. 

Der vierte Neuköllner Kunstpreis ist eine Kooperation des Fachbereichs Kultur mit dem Kulturnetzwerk Neukölln e. V.. Ideell und finanziell wird dieses Veranstaltungsformat durch die STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH unterstützt. Die Werke der nominierten Künstlerinnen sind in einer Ausstellung in der Galerie im Saalbau noch bis zum 29. März 2020 zu sehen. Eine Finissage mit von den Künstlerinnen begleitetet Rundgang durch die Ausstellung bildet einen weiteren Höhepunkt zum Schluss der Ausstellung.

Neuköllner Kunstpreis, Ausstellung, Galerie im Saalbau
29. März 2020, 18.00 Uhr: Finissage und Rundgang durch die Ausstellung mit den Künstler*innen