Feier 100 Jahre Frauenwahlrecht mit dem Blick nach vorne

So seien nur 31 Prozent der Abgeordneten im Deutschen Bundestag weiblich, in der BVV Neukölln seien immerhin von 55 Bezirksverordneten 23 Frauen. „Ich möchte, dass jedes Mädchen die Chance hat, Bürgermeisterin zu werden. Der Kampf für Gleichstellung geht weiter“, so Hikel.
Wie der Kampf weitergehen kann, schilderte Linn Selle, Präsidentin der „Europäischen Bewegung Deutschland“. Es brauche einen langen Atem, Engagement und Vernetzung, stellte sie fest. Dabei sei „die Forderung nach Parität in Parlamenten immer noch eine wichtige.“ Hier habe der Deutsche Frauenrat anlässlich des Jubiläums des Frauenwahlrechts eine solche Parität gefordert, der sich die anwesenden Frauen als Unterzeichnerinnen anschließen könnten. Die wichtigste Ebene sei das Erreichen der Quote in Unternehmensführungen. In Aufsichtsräten greife sie, nicht aber in „Unternehmensvorständen – obwohl diese Ebene ja die wichtigste ist, um Kulturveränderungen zu erreichen“, betonte Selle. Aber auch in Vereinen, Initiativen und der Zivilgesellschaft seien Frauen in „Spitzenämtern“ unterrepräsentiert. Hier gelte es, langfristig Ziele zu verfolgen und Teilerfolge zu feiern – auch wenn das natürlich nicht immer ganz leicht falle. „Wir brauchen engagierte Frauen und Männer auf allen Ebenen, die sich in demokratischen Strukturen für eine echte gleichberechtigte Gesellschaft einsetzen“, so Selle weiter.
Und dass dies von Erfolgen gekrönt sein kann, zeige die Geschichte der Frauenbewegung. Gesellschaftliches Engagement müsse „insgesamt frauenfreundlicher werden! Zu Zeiten von Marie Juchacz hieß es Familie und Kinder dem politischen Engagement unterzuordnen. Das sollte für uns heute kein Vorbild mehr sein! Das heißt auch in Vereinen und Verbänden: weniger Abendtermine, weniger Riesen-Portfolios, und auch ein kluges Teilen von Aufgaben – wie es Mirjam und Cordula etwa in der SPD-Fraktion der BVV vormachen“, so Selle.
Zum Schluss erinnerte sie daran, „dass der Kampf von Marie Juchacz und vielen andern deutschen Frauen mit einer „europaweiten Vernetzung von Frauen in Wien, London, Paris, Berlin und vielen weiteren Bewegungen in ganz Europa“ geführt wurde.  Dieser Blick über die Landesgrenzen hinaus sei auch heute notwendig, denn „frauenpolitische Themen stehen in vielen unserer Nachbarländer auch auf der Agenda. Seien es die Proteste gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts in Polen oder der erfolgreiche Kampf irischer Frauen für ein liberaleres Abtreibungsrecht. Wir können in Europa viel voneinander lernen und uns unterstützen!“ Vor Ort könnten sich Frauen im Rahmen der Neuköllner Städtepartnerschaften vernetzen! Es dürfe „heute keinen gesellschaftlichen Ort mehr geben, sei es das Unternehmen hier in Neukölln, die Polizei oder Parteien, die Kita oder der Sportverein, an dem nicht Frauen und Männer nebeneinanderstehen.“