Ein Stück Heimatgeschichte „Die Schmiede von Rudow“

Bezirksbürgermeister Martin Hikel, Bezirksstadträtin Karin Korte, Peter Scharmberg, Manfred Ziemer und Eva-Marie Schoenthal mit Lothar Herrmann
und Jutta Kendzia vom Vorstand des Rudower Heimatvereins (v.li.)

Warum heißt der Teich in Alt-Rudow Schmiedeteich? Ganz einfach „weil in seiner Nachbarschaft die Rudower Schmiede stand, und zwar dort, wo heute ein Blumengeschäft sowie eine Kita in der Köpenicker Straße gleich gegenüber dem Alten Krug untergebracht sind“. Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) hat am 7. September vor seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung „Die Schmiede von Rudow“ die historische Ausstellung in Augenschein genommen und war fasziniert. „Sie können stolz sein auf diese Ausstellung“, so Hikel. „Es ist spannend zu sehen, wie sich Rudow verändert hat“, betonte Hikel. Während heute IT-Spezialisten die so genannte Start-up Szene als Handwerker beherrschen, so Hikel, waren es früher Schmiede und andere Handwerksberufe. Der Schmied in Rudow schärfte in frühen Zeiten unter anderem die Sensen der Bauern, später kamen für die Schmiede in Rudow weitere und kompliziertere Aufgaben hinzu.  „Es ist spannend zu sehen, wie sich das Schmiedehandwerk und wie sich Rudow verändert hat“, betonte Hikel und verwies dabei auf die historischen Fotos der Ausstellung, auf denen nicht nur die Schmiede zu sehen ist, sondern auch Straßenbahnen das Bild von Rudow prägten. „Auch heute sind Straßenbahnen wieder im Gespräch, wobei wir uns für die Verlängerung der U7 zum BER einsetzen“, so Hikel. Zum Schluss dankte Neuköllns Bezirksbürgermeister allen an der Ausstellung Beteiligten für ihr Engagement.  „Heimatverein, was ist das anderes als Kultur. Hier arbeiten Menschen ehrenamtlich und erkunden die Heimatgeschichte. Gerade in Zeiten von Demokratieverlust sei es wichtig, so Korte, dass sich Bürger mit der Geschichte des Bezirks und der Heimat auseinandersetzen. „Hier spielen Vereine eine große Rolle, um die Gesellschaft zusammenzuhalten“, betonte Korte. Auch sie sprach dem Heimatverein mit seinem 1. Vorsitzenden Manfred Ziemer ihren Dank aus für die gute Arbeit.

Giebelverzierung um 1750
Die Arbeit des Schmieds war hart und verlangte zugleich Präzision.

Die Geschichte der Rudower Schmiede beginnt im 18. Jahrhundert, wie Rudows verstorbener Dorfchronist Dietmar Ephan herausgefunden hat. Etwa 1779 kommt ein Waffenschmied aus Freienwalde in der Uckermark nach Rudow. Er findet dort viel Arbeit, die ihm die ansässigen Bauern abverlangen und siedelt sich dauerhaft an.  Unterbrochen wird sein Werk durch einen Feuersturm, der zum 15. Dezember 1799 losbricht und die Schmiede, den Alten Krug und weitere Gebäude vernichtet. Es war wohl ein Enkel dieses Waffenschmieds, vermutet Dorfchronist Ephan, der im Jahr 1896-97 eine neue Schmiede aus massivem Backstein baute. Sein Name: Carl Christian Friedrich Schmidt. Als er im  Jahr 1900 im Alter von 59 Jahren an einem Lungenleiden stirbt, übernimmt sein Sohn Robert, genannt „Pinke-Schmidt“ die Schmiede. Den Spitznamen erhielt er wohl, weil die Bauern, die ihre Sensen zum Schärfen bei ihm abgaben, während ihres Mittagessens im Dorfkern das Geräusch des Hammers hörten, der die Sense „gedingelt“ hat: „Pink, Pink, Pink“ hallte es. Schmied Robert bekam drei Söhne: Hans (geb. 1912) Kurt (1914) und Karl (1918). Mit 14 Jahren beginnt Hans 1926 seine Lehrzeit in der Schmiede-Zwangsinnung in Köpenick und beendet sie dort im Lehrjahr 1929/30. Mit 23 wird er Schmiedemeister und übernimmt in den 30 Jahren die Schmiede zusammen mit Kurt. Alle zusammen Hand anlegen müssen die Schmiede beim Aufziehen der Eisenreifen auf Wagen, eine Arbeit, die Schnelligkeit, Teamwork und Präzision verlangt.  Dafür wird ein 70cm tiefes Loch mit einem Durchmesser von zwei Metern gebraucht, in welchem Reisig brennt. Hier wird der Eisenring erhitzt. Doch bevor er sich auskühlt, muss er auf die Felge gezogen  sein,  wo er fest sitzt, wenn er abkühlt. 

Lokalgeschichte schrieben die Schmidts auch, weil Robert Schmidt der erste Bürger Rudows ist, der ein Auto fährt. Eine Fotografie aus dem Jahr 1912 in der Ausstellung zeigt ihn mit dem Fahrzeug. Robert Schmidt ist auch einer der ersten, die sich zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rudows 1904 einfindet. Sie befindet sich damals noch in der Nachbarschaft der Schmidts.  Nur fünf Jahre später wird Robert Schmidt 1909 zum Oberführer der Freiwilligen Feuerwehr ernannt. Auch Hans Schmidt ist im sozialen Leben Rudows tief verwurzelt. Von 1950-1983 ist er Mitglied im Kirchenrat der Evangelischen Dorfkirchengemeinde. Robert Schmidt stirbt am 25.07.1951, 12 Jahre zuvor verlor er seinen Sohn Karl, er fiel 1941 im II. Weltkrieg. Schließlich führt Kurt den Betrieb weiter, bis 1969 das Feuer in der Rudower Schmiede endgültig erlischt. Die Ausstellung des Rudower Heimatvereins hat mit den Schmiede-Werkzeugen, den historischen Fotos und Dokumenten sowie einzelnen Schmiedearbeiten ein Stück Handwerksgeschichte dokumentiert und zugleich eine spannende Familiengeschichte mit Höhen und Tiefen erzählt, die bis in die Gegenwart reicht.