Clay-Oberschule feierte Spatenstich

Gemeinsam anpacken für moderne Schulen: Bezirksverordneter Peter Scharmberg, Bezirksbürgermeister Martin Hikel, Stadträtin Karin Korte, Senatorin Sandra Scheeres und die Bezirksverordneten Cordula Klein und Michael Morsbach (v.li.)

Auf dem ehemaligen Zwangsarbeiterlagergelände an der Köpenicker Straße Ecke August Fröhlich Straße spielte das große Clay-Blasorchester am 13. Juni absolut professionell und so gut wie noch nie – sein Spiel verlieh der Freude über den ersten Spatenstich zur neuen Clay-Oberschule eine besondere Note. Rudows Schüler atmen auf. Nach mehr als 30 Jahren im Provisorium im Bildhauerweg, liegt ihnen der Einzug in eine topmoderne Schule vor Augen. Noch sieht es auf dem Gelände chaotisch aus. Schutt der ehemaligen Zwangsarbeiterbaracke türmt sich auf und um den Splittergraben herum sind noch Spuren der Ausgrabungen sichtbar, bei denen auch urgeschichtliche Siedlungsreste aus der römischen Kaiserzeit um 100-150 n. Chr. gefunden wurden. Doch der Sandhaufen, der inmitten des  sonnigen Geländes liegt, ist mitsamt des Spatens mit der Aufschrift „Neukölln baut Bildung“ Sinnbild für die Hoffnung, dass in wenigen Jahren hier eines der modernsten Schulgebäude der Republik steht. Wie es aussehen wird, wissen die anwesenden Schüler anhand der Visualisierungen des Architekturbüros Staab Architekten. Auch wie es sich darin lernen und arbeiten lässt, können sie heute schon wissen. Denn in der langen Planungsphase war die gesamte Schule bis in Detailplanungen hinein eingebunden.
Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) begrüßte zunächst die vielen Gäste: Unter ihnen die SPD Bezirksverordneten Peter Scharmberg und Michael Morsbach sowie die Fraktionsvorsitzende Cordula Klein. Als ehemaliger Lehrer weiß Hikel, wie schwierig es ist, unter Containerbedingungen zu arbeiten und zu lernen. Von daher würdige er ebenso wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und wie beim Richtfest des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums in Buckow, die Leistungen der Lehrer und Schülerschaft und brachte seine Freude über den Schulneubaufortschritt zum Ausdruck.

Denn nach den kürzlich erfolgten Richtfesten zum  Erweiterungsbau am Campus Efeuweg und des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums werde nun deutlich, wie stark Neukölln in Bildung investiert. Auch erinnerte Hikel an die sorgenvolle Geschichte der Schule. Deren Lehrer und Schüler konnten nur 15 Jahre in einem Neubau in der Lipschitzallee arbeiten und lernen und  mussten schließlich ausziehen, weil die Schule selbst nach der Asbestsanierung noch mit Spritzasbest kontaminiert war, wie das Leonardo-Gymnasium und viele andere Schulen in Berlin auch. Doch die Clay-Oberschule hatte besonders viel Pech. Als endlich Licht am Horizont erschien, verhinderte die Bürgerinitiative „Rettet Rudows Felder“ 2009 mit Rückendeckung der Grünen, dass die Schule auf dem „Mettefeld“  gebaut wird. Also musste neues Bauland gesucht werden. Ein Glücksfall war, dass 2011 infolge der Finanzkrise und der Liquiditätsprobleme eines Investors, das bereits an ihn verkaufte Grundstück am Neudecker Weg – Ecke August-Fröhlich-Straße im Zuge einer Rückabwicklung wieder in die Hände Neuköllns fiel. Doch auch nun hielt das Glück nicht an. Das Geld reichte nicht, daran erinnerte Schulleiter Thorsten Gruschke-Schäfer in seiner Rede zum Spatenstich. Deshalb ging die Schule auf die Straße, zog  samt Schulleitung durch Berlin-Mitte zum Finanzministerium und sang den Song „12 Millionen für die Clay-Oberschule“. Bei der alten Planung war nachhaltiges ökologisches Bauen nicht vorgesehen, auch der Bau einer neuen Turnhalle war am alten Standort Lipschitzallee nicht nötig.  Der Druck der Schule und der Ex-Schulstadträtin Giffey hatte Erfolg, das fehlende Geld kam. Nun konnte es losgehen, dachten alle. Wieder weit gefehlt. Die Baracke auf dem Baugelände gehörte zu einem NS-Zwangsarbeiterlager (1941-45) und sollte unter Denkmalschutz gestellt werden. „Nach ihrer zwanghaften Deportation wurden hier mehr als 2000 Zwangsarbeiter, Männer, Frauen und auch Kinder untergebracht, die für die umliegenden Betriebe arbeiten mussten und ausgebeutet wurden“, erinnerte Korte. Sie würdigte, dass Schüler der Clay-Oberschule und des Albrecht-Dürer-Gymnasiums an den Ausgrabungen teilnahmen und sich mit diesem grauenvollen Kapitel Deutscher Geschichte auseinandersetzten.  Schließlich stellte sich heraus, dass die Baracke stark kontaminiert war. Sie konnte nach archäologischer Untersuchung und dokumentarischer Erfassung durch 3D-Scan mit Hilfe des Museum Neukölln abgerissen werden. An das Zwangsarbeiterlager erinnert ein öffentlicher Gedenkort im Schulbau mit einem Wandstück,  „damit Geschichte nicht vergessen wird“, so Korte. „Die Schüler können mit ihrer Teilnahme an den archäologischen Ausgrabungen stolz sein,“ betonte Korte vor hunderten anwesenden Schülern. Mit dem Gedenkort in der Clay-Oberschule wurde ein Vorschlag des SPD Bezirksverordneten Peter Scharmberg in die Planung aufgenommen. Nachdem auch der nächste Schreck mit dem Fund der Siedlungsreste aus der römischen Kaiserzeit überwunden wurde, konnte grünes Licht für den Bau gegeben werden, für eine von drei Pilotschulen in Berlin in Sachen energieeffizientes  nachhaltiges Bauen, hob Architekt Hanns Ziegler hervor. Rund 1.150 Schülerinnen und Schüler werden hier im gebundenen Ganztagsbereich lernen. Die Außenfassade mit Sichtziegeln und Holzelementen spricht eine sehr markante Architektursprache. Der Innenraum gliedert sich in das steinerne Erdgeschoss mit den allgemeinen Funktionen sowie das hölzerne Obergeschoss mit den Lernlandschaften und den Dachterrassen. Das ganze Gebäude wird auch nach den neuesten pädagogischen Bedürfnissen der Jahrgangscluster (Offene Lernlandschaft) errichtet. Bei Clustern werden mehrere Unterrichtsräume, weitere Räume und die dazugehörigen Erschließungsflächen als multifunktionale gemeinsame Mitte zu einer Einheit zusammengefasst, was klassenübergreifende Kooperationen stärkt und überschaubare Einheiten für gutes Lernen schafft.